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Stinkender Ostseestrand: Schwarze Schicht unter neuem Sand in Heiligenhafen freigelegt

Nach einem Sturm ist an einem aufgeschütteten Strandabschnitt in Heiligenhafen faulig riechendes Material aufgetaucht. Nun laufen Untersuchungen zu den Ursachen.

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Ein Strand, der nach faulen Eiern stinkt? Da bleibe ich lieber auf meinem Deich! — Rocky, Chefkolumnist
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In Heiligenhafen ist nach einem Sturm unter einer erst im Frühjahr aufgeschütteten Sandschicht fauliges, schwarzes Material zum Vorschein gekommen. Die betroffene Strandfläche war für 480.000 Euro saniert worden, woraufhin nun Bodenproben entnommen wurden. Das beauftragte Unternehmen kündigte Aufklärung an, steht jedoch wegen anderer Vorwürfe vor Gericht.
In Heiligenhafen ist auf einem etwa 250 Meter langen Abschnitt unter dem hellen Strandsand eine schwarze Schicht aus faulig riechendem Material aufgetaucht, wie die shz berichtet. Genau dieser Bereich des Badestrandes war erst im Frühjahr für 480.000 Euro neu aufgeschüttet worden. Bei einem Ortstermin mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz und Polizisten ließ Bürgermeister Kuno Brandt (parteilos) Bodenproben entnehmen. „Das, was ich vor Ort gesehen habe, hat mich sauer gemacht und entspricht nicht unserer Leistungsbeschreibung, mit der wir die Sandaufschüttung in diesem Jahr vergeben haben“, sagte Brandt dem „Fehmarnschen Tageblatt“.
Bereits nach der Anlieferung des Sandes im Frühjahr hatten städtische Mitarbeiter festgestellt, dass Optik und Haptik des Sandes nicht den ausgeschriebenen Anforderungen entsprachen. Das Unternehmen von der Insel Fehmarn war daraufhin aufgefordert worden, das beanstandete Material wieder abzufahren. Ob das wie gewünscht vollständig erfolgt ist und ob Heiligenhafen das auch ausreichend kontrolliert hat, ist derzeit offen. Fünf Bodenproben, auch aus der Tiefe, seien nach Abschluss der Aufschüttung ohne Beanstandungen gewesen, heißt es von der Stadt.

Ergebnisse der Bodenproben und juristischer Hintergrund

Die aktuellen Laborergebnisse vom Ortstermin stehen noch aus. Laut Kreis Ostholstein soll es sich bei der schwarzen Schicht um ein „sand-organisches Materialgemisch“ handeln. Der Sand ist also offenbar mit organischem Material verunreinigt.
Das Unternehmen, das den Sand aufgeschüttet hat, ist bereits strafrechtlich aufgefallen und muss sich wegen des Verdachts des illegalen Entsorgens von Seegrassickersäften vor dem Amtsgericht Oldenburg verantworten. Der Chef soll seine Fahrer in 48 Fällen angewiesen haben, die Flüssigkeit aus einem Lager für Seegras, das von Stränden eingesammelt wurde, auf einem Feld auszubringen. Ein Urteil soll am 6. November gesprochen werden. Solange gilt die Unschuldsvermutung.
Der Chef des Unternehmens erklärt zum schwarzen Sand von Heiligenhafen: „Wir werden den Vorgang transparent aufarbeiten.“ Für die Aufschüttung sei Strandsand verwendet worden, der in einer Trommelsiebanlage gereinigt worden sei. Dies werde entlang der gesamten Ostseeküste gemacht, weil es ressourcenfreundlich sei. Das Seegras komme in die Kompostierung, der Sand könne wiederverwendet werden. „Wir haben ein großes Interesse daran, aufzuklären, was genau passiert ist, denn so extrem viel organisches Material darf in angeliefertem Sand nicht sein, da gibt es kein Wenn und Aber.“

Biologischer Prozess führt zu Geruch und Verfärbung

Enthält Sand viele organische Bestandteile wie abgestorbene Algen oder Seegrasreste, werden diese unter Sauerstoffausschluss von Mikroorganismen abgebaut. Als Stoffwechselprodukt entsteht Schwefelwasserstoff, der nach faulen Eiern riecht. Gleichzeitig reagiert der Schwefelwasserstoff mit gelöstem Eisen aus dem Sediment zu Eisensulfid, das den Sand intensiv tiefschwarz färbt.
Das passiert an jedem Strand auf ganz natürlichem Weg, insbesondere im Spülsaum unter Wassersättigung. Algen, Seegras, Pflanzenteile und Plankton werden durch die Wellen sofort von neuem Sand überlagert. So entsteht eine schwarze Schicht unter dem Sand. Ungewöhnlich in diesem Fall ist jedoch ihre Dicke.

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