Aus der Ferne geführt: Wie eine IT-Spezialistin ein Traditionsgeschäft in Hademarschen leitet
Henrike Stotz arbeitet in Ahrensburg als Datenbankadministratorin und leitet gleichzeitig das elterliche Schreibwarengeschäft in Hanerau-Hademarschen. Ein Fünf-Personen-Team vor Ort ermöglicht den ungewöhnlichen Spagat.
Henrike Stotz wuchs in dem Gebäude am Marktplatz auf, in dem ihr Vater 1970 den Laden eröffnete. Wo sich heute Schulbedarf und Spielwaren befinden, gab es früher unter anderem ein Hotel, in den 1960er-Jahren ein Kino sowie später einen Spar-Markt und eine Schlecker-Filiale. Auf die Frage nach ihrem Berufswunsch antwortete sie als Kind stets mit „Chefin“. Nach einer 1997 begonnenen Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel bei Hertie in Kiel studierte Stotz Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik, um in der IT-Branche Fuß zu fassen.
Doppelaufgabe zwischen Ahrensburg und Hanerau-Hademarschen
Im Jahr 2011 verlegte Stotz ihren Lebensmittelpunkt nach Ahrensburg. Als sich ihr Vater 2012 aus Altersgründen zurückziehen wollte, übernahm sie den Betrieb. Seit der Pandemie arbeitet sie in ihrem Hauptberuf für ein Rechenzentrum im Krankenkassenbereich fast vollständig ortsunabhängig. Sie beginnt früh am Morgen am Schreibtisch in Ahrensburg mit der Kontrolle von Datenbanken und Serverprotokollen. Nach Feierabend regelt sie aus der Ferne Bestellungen, den Social-Media-Auftritt und die Absprachen mit dem Team, wie die shz berichtet. Persönlich reist sie etwa einmal im Monat für zwei bis drei Tage nach Hademarschen.
Das Modell stützt sich auf ein fünfköpfiges Team vor Ort. Eine Mitarbeiterin, die kürzlich ihr 25-jähriges Dienstjubiläum feierte, übernimmt in Abwesenheit der Inhaberin die Leitung. Auch ihr Vater hilft weiterhin im Laden aus. Henrike Stotz erklärt dazu: „Er ist gerne noch mit dabei, weil es ihm Spaß bringt. Das ist sein Leben, er hat das alles aufgebaut“. Belastungen im Job und parallele Entscheidungen im Geschäft führen jedoch zeitweise an Grenzen und Auszeitwünsche.
Offene Zukunft bei der Nachfolge
Ihre Kinder im jungen Teenager-Alter zeigen zwar Interesse an der Nachfolge, fest geplant ist diese jedoch nicht. Henrike Stotz sagt: „Es muss nicht in der Familie bleiben. Es kann auch einen anderen Nachfolger geben, der es gerne weiterführen möchte. Am wichtigsten ist für mich, dass der Handel weiterlebt und die Philosophie, die hier über die Jahrzehnte entstanden ist, bestehen bleibt“.