Klimainseln oder Festbäume: Debatte über Hitzeschutz in Glückstadt
Die Grünen und die Bürger für Glückstadt schlagen unterschiedliche Maßnahmen gegen Sommerhitze vor. Der Hauptausschuss berät Ende Oktober über mobile Pflanzkübel und dauerhafte Baumpflanzungen.
Wenn im Sommer die Sonne auf den Marktplatz in Glückstadt glüht, hält sich dort niemand länger als nötig auf, wie die shz berichtet. Der Marktplatz heizt sich mit seinen historischen Pflastersteinen zusätzlich auf und Schatten sucht man vergeblich. Die Grünen wollen den Marktplatz daher sommerlicher, schattiger und gemütlicher machen. Dafür sollen vier bis sechs große, geliehene oder bewegliche Pflanzenkübel mit Bäumen und Sitzbänken aufgestellt werden, sogenannte mobile Baum-Sitz-Container.
„Wir haben früher schon über Beschattung auf dem Marktplatz gesprochen“, sagt Grünen-Vorsitzende Christine Berg. In diesem Jahr habe das Thema noch mal Brisanz bekommen, ergänzt sie und meint damit den heißen Sommer – laut Deutschem Wetterdienst den zweitwärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1881. Zwei Jahre wollen die Grünen die Container auf dem Marktplatz testen. „Solche ‚Inseln‘ kennt man auch aus anderen Städten“, sagt Berg. Die Container seien nicht fest verbaut, sondern ließen sich mit einem Transport ganz einfach verschieben oder wegstellen. Das wäre etwa für Veranstaltungen wie die Matjeswochen praktisch. Auch der Wochenmarkt hätte genügend Platz, das Pflaster bliebe unbeschädigt, die Sicht auf historische Gebäude frei und Parkplätze würden nicht wegfallen.
Die Pflege der Kübel mit automatischen Wasserspeichern sollen die Stadtverwaltung und der Bauhof gemeinsam mit örtlichen Gärtnereien übernehmen. Bürger, Händler und Passanten könnten über QR-Codes an den Bänken Feedback geben. Von der Verweildauer würde auch der Handel profitieren. Die genauen Kosten für vier bis sechs dieser „Klimainseln“ haben die Grünen noch nicht vorgerechnet, verweisen jedoch auf Fördergelder von EU, Bund, Land Schleswig-Holstein und aus der Region, die bis zu 90 Prozent übernehmen könnten.
Bürger für Glückstadt fordern dauerhafte Pflanzungen
Die BfG teilt grundsätzlich das Ziel für mehr Grün und Hitzeschutz, sagt Fraktionsvorsitzender Siegfried Hansen. Doch die mobilen Pflanzenkübel seien zu teuer und unpraktisch. Die BfG rechnet bei den „Klimainseln“ mit Kosten von 38.000 bis 78.000 Euro plus Pflegekosten. Die Bürger für Glückstadt wollen das Geld stattdessen nutzen, um dauerhafte Bäume direkt in die Erde zu pflanzen. Ein Baum würde knapp 200 Euro kosten, so die BfG – auch wenn man wisse, dass noch weitere Kosten hinzukommen. „Es wäre auch unseriös, die 200 Euro einfach mit den Kosten eines Containers zu vergleichen“, sagt Hansen. Entscheidend sei aber: Für dasselbe Budget könne man wesentlich mehr Bäume pflanzen, die über Jahrzehnte wachsen und von Jahr zu Jahr mehr Schatten spenden, erläutert er.Passende Plätze für die Bäume soll das neue Klimamanagement der Stadt zusammen mit der Stadtverwaltung und dem Bauhof finden. Gesucht werden laut Hansen stark versiegelte Orte wie Gehwege, an denen man schnell und einfach ohne langwieriges Großkonzept pflanzen kann. Zur Auswahl der Bäume will die BfG den örtlichen Naturschutzbund (Nabu) dazuholen. „Uns geht es um standortgerechte, überwiegend heimische, klimaangepasste und ökologisch wertvolle Arten“, erläutert Hansen. Am Montag, 26. Oktober, berät der Hauptausschuss über beide Anträge.