Günstiger Bio-Kraftstoff: Spedition setzt auf eigenes CNG aus Gülle und Mist
Die Schnackenberg GmbH nutzt Biogas aus Westertimke für ihre Lkw und plant nun eigene Tankstellen direkt auf den Geländen von Firmenkunden.
Prokurist Magnus Sackmann überlegt, einen weiteren Lkw anzuschaffen: „Wir bezahlen pro Kilo Gas - das entspricht etwa einem Liter Diesel - knapp einen Euro. Dadurch wurde es für uns auch möglich, den Fahrern mehr Lohn zu zahlen“. Zur Fahrzeugauswahl ergänzt er: „Leider müssen wir auf ausländische Marken zurückgreifen, denn die deutschen Hersteller setzen eher auf Elektro- statt auf Gasantrieb“.
Ausbau des Tankstellennetzes
Die Firma plante schon lange weitere CNG-Tankstellen in der Region. „Wir haben gerade im Timkepark für 3,5 Millionen Euro eine Gasreinigungsanlage sowie einen Biogasspeicher mit 6.600 Kubikmeter Kapazität gebaut. Damit sind wir in der Lage, unser Biogas aus der Biogasanlage in Westertimke soweit aufzubereiten, dass es in das Erdgasnetz der EWE eingespeist werden kann“, erläutert Prokurist Markus Sackmann. Das Unternehmen möchte eigene Tankstellen auf den Betriebsgeländen von Kunden in Kooperation mit anderen Biogasanlagen-Betreibern bauen. „Wir möchten hier große Firmen - wie Speditionen, Müllentsorger oder den ÖPNV - davon überzeugen, ihren Fuhrpark auf Biomethan umzustellen. Wir bauen dafür die Tankstelle und beliefern sie mit Biogas, das aus dem EWE-Netz kommt“, erklärt der 54-Jährige das Geschäftsmodell.
Geringer Aufwand für Betriebstankstellen
Der Aufwand für den Bau einer Tankstelle auf einem Betriebsgelände sei relativ gering, da keine unterirdischen Tanks und keine teuren Benzinabscheider benötigt werden. „In der Regel reicht ein ganz normaler Gasanschluss, wie ihn fast jedes Haus hat“, erklärt Magnus Sackmann. Die Betankung mit CNG dauert allerdings länger als mit Diesel, weshalb direkt vor Ort und über Nacht getankt werden kann. Mit dem aus Mist und Gülle gewonnenen Kraftstoff können Speditionen eigene Kunden klimaneutral beliefern, was von vielen Lebensmittelketten für den CO²-Fußabdruck verlangt wird. „Im Gegensatz zu Elektro-Lkw sind die CNG-Trucks allerdings nicht von der Maut befreit. Dafür sind die Elektro-Lkw aber wesentlich kostenintensiver, außerdem ist es kompliziert, eine Elektro-Ladestation für Lkw oder Busse zu bauen“, weiß Magnus Sackmann.
Interesse bei Landwirten und weitere Pläne
In Zeiten steigender Dieselpreise trotz Tankrabatt steigt das Interesse an einer Biogastankstelle auf dem eigenen Betriebsgelände. „Es rufen vermehrt auch Landwirte an, insbesondere große Milchviehbetriebe. Sie wollen klimaneutrale Milch produzieren, denn viele Molkereien geben dafür eine bessere Vergütung“, so der Prokurist. Magnus Sackmann denkt zudem über die Verwertung des anfallenden CO² aus der Gasgewinnung sowie über klimaneutralen Strom für die Gasanlage nach. „Aber jetzt wollen wir erst mal Tankstellen bauen, wo wir unser Gas verkaufen können“, lacht er. In Westertimke verarbeitet die Biogasanlage 26.000 Tonnen Mist und Gülle sowie 3.000 Tonnen nachwachsende Rohstoffe aus der Region.