Alte Mülldeponie in Bad Oldesloe: Stadt prüft mögliche Grundwasserbelastung
Eine seit 1969 geschlossene Mülldeponie am Naturschutzgebiet Brenner Moor steht im Verdacht, das Grundwasser mit krebserregenden Stoffen zu belasten. Die Stadt Bad Oldesloe hat nun ein Gutachten zur Risikoanalyse beauftragt.
Gefahr durch leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe
Nach Recherchen wies der Kreis Stormarn in der stillgelegten Altdeponie in der Vergangenheit wiederholt leichtflüchtige Chlorkohlenwasserstoffe (LCKW) nach.
Das Bundesumweltministerium informiert auf seiner Webseite über den Schadstoff wie folgt: „LCKW sind flüchtig, schwerer als Wasser und in Wasser nur schwer löslich. Sie bewegen sich daher in der ungesättigten Zone doppelt so schnell wie Wasser und können bei Erreichen des Grundwasserleiters diesen senkrecht bis zur Sohle durchströmen. LCKW können bei Menschen zu Leber- und Nierenschäden führen. Einige sind in höherer Konzentration toxisch für Wasser- und Mikroorganismen. Unter Temperatureinfluss können weitere aggressive und giftige Zersetzungsprodukte entstehen wie zum Beispiel Salzsäure und das kanzerogene Vinylchlorid. Kontaminationen verbleiben meist über lange Zeiträume im Untergrund und können nur mit hohem Aufwand saniert werden.“
Die Deponie befindet sich in der Heimstraße direkt neben dem Brenner Moor, einem Naturschutzgebiet mit seltenem Salzwasserbiotop. Laut Angaben aus der Fachabteilung des Kreises wurden dort auch Fässer der ehemaligen Fabrik der Firma Nordchemie entsorgt. Zudem diente das Gelände für Hausmüll und gewerbliche Abfälle. Erste Hinweise auf eine Müllentsorgung stammen aus dem Jahr 1926. Die Hauptnutzungszeit lag zwischen 1950 und 1970; nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dort auch Schutt ausgebombter Häuser abgelagert. Am 31. Dezember 1969 wurde die Deponie geschlossen. Das angrenzende Brenner Moor steht seit 1978 unter Naturschutz. Durch einen Zaun und dichten Bewuchs ist das Gelände vom Wegesrand abgeschottet.
Prüfung der Akten und geplante Maßnahmen
Die Hinweise auf LCKW im Boden stammen aus Gutachten der Jahre 2006 bis 2011. Am 4. August 2026 beauftragte die Stadt Bad Oldesloe in Absprache mit dem Kreis Stormarn und dem Umweltministerium ein Unternehmen, anhand der Sichtung bisheriger Unterlagen das Gefahrenpotenzial für das Grundwasser einzuschätzen. Über die Vorkommnisse zwischen 2011 und 2026 liegen keine Informationen vor.
Sollte eine akute Gefährdung für Mensch und Tier festgestellt werden, kämen laut Kreisverwaltung Sicherungs- oder Sanierungsmaßnahmen in Betracht. Ein vollständiges Abbaggern des kontaminierten Erdreichs schließt die Behörde aus finanziellen Gründen aus, da dies „in der Regel“ unbezahlbar sei.
Das Thema sollte ursprünglich am 29. Oktober im Umwelt-, Energie- und Verkehrsausschuss der Stadt Bad Oldesloe behandelt werden, wurde jedoch vorerst abgesetzt. Bürgermeister Jörg Lembke teilte dazu mit: „Die Thematik ist inhaltlich noch nicht so weit fortgeschritten, dass sie im kommenden UEVA behandelt werden kann, die von Ihnen angefragten Dokumente liegen daher nicht vor“. Nach Angaben der Verwaltung werden die Ergebnisse der Sichtung alter Akten erst im Frühjahr 2027 erwartet.