Senioren auf Föhr: Besonderer Ausflug zum Jahrmarkt
Ein Pflegedienst aus Wyk hat elf betagten Klienten einen Ausflug zum Föhrer Jahrmarkt ermöglicht. Neben Karussellfahrten standen dabei vor allem viele Erinnerungen im Mittelpunkt.
Autoscooter mit 93 Jahren – so gehört sich das an der Küste.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Ein Ausflug zum Jahrmarkt in Wyk auf Föhr hat elf Senioren eine besondere Freude bereitet. Organisiert in ihrer Freizeit von Mitarbeitenden eines ambulanten Pflegedienstes, erlebten die meist kaum noch mobilen Inselbewohner fröhliche Stunden zwischen Karussells und Imbissbuden. Der Jahrmarkt auf Föhr lockte zum Saisonabschluss mit Oktobersonne. „Passt gar nicht“, wundert sich Boy Breckwoldt, „zum Jahrmarkt gehört Schietwetter.“ Der über 90-jährige gebürtige Alkersumer ist von klein auf Kenner des Herbstvergnügens. Gleich zur Markteröffnung traf sich die Gruppe. „Da ist noch nicht so viel Gedränge und wir können uns ein bisschen Zeit lassen“, meint Levke Quedens vom Ambulanten Pflegedienst in Wyk, wie die shz berichtet. Die Pflegedienstmitarbeiterin organisierte den Ausflug gemeinsam mit ihren Kollegen. Die meisten ihrer Klienten verlassen ihre Wohnungen sonst kaum noch und meist nur für Arztbesuche, weshalb die Welt klein geworden ist.<2>Mutige Fahrt im AutoscooterAm Autoscooter stieg die Spannung unter den Ausflüglern. Während manche wie Ellen, die sich im vergangenen Jahr noch getraut hatte, abwinkten, wagten drei Mutige eine Fahrt in Begleitung. Neben Carola stiegen die beiden 93-jährigen Karin Breckwoldt und Boy Breckwoldt ein. „Ich bin der Ältere“, sagt Boy Breckwoldt, „im Januar geboren. Sie …“ – er zeigte auf seine Frau – „… erst im April.“ Die beiden kennen sich seit ihrer Kindheit: „Wir haben in der Schule nebeneinandergesessen. Ich wusste da schon, dass sie es ist.“ Vor Jahren zogen sie aus Alkersum in eine Wohnung in Wyk. Zusammen mit Levke Quedens ging es schließlich auf die Fahrbahn.
Erinnerungen bei Apfelpunsch und Dosenwerfen
Anschließend genehmigte sich die Gruppe Getränke. Die 86-jährige Elke Krombach bevorzugte Manhattan statt Pharisäer: „Alles andere ist viel zu süß“, findet sie. Auf die Frage, wie der Wyker Jahrmarkt früher war, antwortet die Boldixumerin: „Oh haue, haue ha“. Auch beim Dosenwerfen versuchte sie ihr Glück: „Zwei kleine Preise hat der junge Mann mir trotzdem gegeben.“ Früher half sie mit ihren acht Geschwistern bei Bauern in der Kartoffelernte für Jahrmarktsgeld. „Wir sind immer bei den Bauern in die Kartoffeln, zum Jahrmarkt, und kriegten dafür ’n bisschen was“, erinnert sie sich. Damals standen Fahrgeschäfte noch in der Hafenstraße: „Einen Groschen kostete das Kettenkarussell“. Später besuchte sie den Markt oft mit ihrem vor wenigen Monaten verstorbenen Ehemann Peter „Blaulicht“ Bahnsen, der über Jahrzehnte Krankenwagenfahrer war.Während die Pflegedienstler Christin Speck, Jan Lehmann und Levke Quedens in den „Twister“ stiegen, konnte die 86-jährige Christiana, die vor 26 Jahren als Pflegerin auf die Insel kam, kaum hinsehen. Ein Plausch mit Helga lenkte ab. Während die Gruppe am Apfelpunsch nippte – „viel zu heiß“, meinten sie –, kamen wieder Erinnerungen an früher auf. „Die Mädchen saßen vorn und die Jungs hinten. Und dann mit Schwung anstoßen“, erzählten sie beim Anblick des Kettenkarussells. Schließlich stärkten sich die Senioren mit Schaschlik und Pommes frites, für die einige extra das Mittagessen ausgelassen hatten.
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