Trotz Rekordwerten bei Erneuerbaren: Warum Kohlekraftwerke weiterlaufen
Starke Stürme sorgten in Deutschland zuletzt für einen Überschuss an Wind- und Sonnenstrom. Fehlende Speicher und ein verzögerter Netzausbau verhindern jedoch die vollständige Nutzung der grünen Energie.
Wind haben wir reichlich, aber die Strippen gen Süden fehlen mal wieder.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Starke Winde und hohe Sonneneinstrahlung haben in Deutschland zuletzt zu einer enormen Produktion an grünem Strom geführt. Dennoch liefen Kohlemeiler und andere fossile Kraftwerke weiter, während Windkraftanlagen teilweise abgeschaltet werden mussten. Ursächlich hierfür sind fehlende Speichermöglichkeiten sowie ein jahrelanger Verzug beim Netzausbau. An einem vergangenen Wochenende erzeugten Deutschlands Windräder und Solaranlagen mehr Strom, als im gesamten Land verbraucht wurde. Am Samstag und Sonntag deckten sie über 100 Prozent des Verbrauchs ab, während es am Donnerstag, Freitag und Montag rund 70 Prozent waren. Nach Auswertung des NDR Datenteams auf Basis von Daten des Fraunhofer Instituts für Solare Energiesysteme führte ein Sturm zu riesigen Strommengen an den Küsten und im Binnenland, während der Verbrauch am Wochenende geringer war als an Werktagen.
Verzögerter Netzausbau und fehlende Speicher
Wie Alexander C. Mühlhausen berichtet, werden selbst an Tagen mit extrem hoher grüner Stromproduktion weiterhin Kohle, Gas und Öl verbrannt. Da Strom im Gegensatz zu Öl oder Gas schwer zu speichern ist und der Ausbau von Batteriespeichern erst am Anfang steht, verpufft nachts erzeugte Energie oft ungenutzt. Mittags müssen bei hoher Nachfrage wieder fossile Kraftwerke einspringen. Zudem wiegt das Problem des schleppenden Netzausbaus schwer: Wie die Tagesschau meldet, hinkt Deutschland seinen Ausbauplänen für Stromleitungen um etwa fünf Jahre hinterher. Es fehlen Tausende Kilometer an Stromleitungen, um den Strom von den Küsten zu den Fabriken im Süden zu transportieren.
Rolle von Strom und Wasserstoff für die Zukunft
Bis diese Stromautobahnen vollständig in Betrieb gehen, werden weiterhin teure Kohlekraftwerke einspringen müssen, obwohl im Norden günstigerer grüner Strom im Überschuss vorhanden wäre. Unter Verwendung von Material von Lalon Sander und Frauke Reyer wird verdeutlicht, dass Strom künftig viele fossile Brennstoffe in Autos oder Heizungen ersetzen soll, um die Erderhitzung weniger stark zu beschleunigen und Importabhängigkeiten zu verringern. Neben Batteriespeichern, die ähnlich wie Akkus in Smartphones oder E-Autos funktionieren, setzt die Industrie auf Wasserstoff. Dieser dient als Zwischenspeicher sowie als umweltfreundlicher Energieträger für Stahlwerke, Chemiebetriebe oder schwere Fahrzeuge wie Müllwagen.
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