Aus für Traditonsgeschäft auf Föhr: Wyker „Wollflur“ schließt Ende Oktober
Nach fast vier Jahrzehnten gibt Inhaberin Gaby Brandt ihr Handarbeitsgeschäft in Wyk auf. Nach einer kurzfristig geplatzten Übergabe läuft der Räumungsverkauf im Ausweichquartier.
Kurzfristiger Umzug ins Ausweichquartier
Eigentlich sollte der „Wollflur“ in der Wilhelmstraße geräuschlos in neue Hände übergehen. Interessierte Insulaner hatten angefragt, ob sie den Laden übernehmen können, woraufhin den ganzen Sommer über Bilanzen, Lieferantenkontakte und Vertragsdetails verhandelt wurden. Zwei Tage vor der geplanten Übergabe platzte das Vorhaben jedoch, wie die shz berichtet. Innerhalb von 36 Stunden räumte Inhaberin Gaby Brandt zusammen mit ihrem Ehemann Klaus Brandt sowie Freunden und Bekannten das alte Geschäft. Das Mobiliar und die gesamte Ware zogen in ein leerstehendes Ausweichquartier zwei Türen weiter, wo bis vor einem Jahr „Marc O’Polo“ Mode anbot. „Ohne die Hilfe von allen Seiten hätten wir das nicht geschafft“, sagen Gaby Brandt und ihr Mann Klaus dankbar.
Bis Ende des Monats werden Wolle, Decken, Schaffell-Puschen und Pullover mit 30 Prozent Rabatt verkauft. Ab November endet die Geschichte des Geschäfts. Begonnen hatte alles im zwei Meter breiten und sechs Meter langen Eingangsbereich des Wohnhauses der Familie in Toftum. „Das war ideal, weil ich so auch immer für die Kinder da sein konnte“, erinnert sich die Ladenbesitzerin. Schon damals verkaufte sie „alles rund um das Schaf – Felle, Decken, Wolle“. Später kam ein ehemaliges Kinderzimmer hinzu, bevor 2006 der Umzug nach Wyk folgte – zunächst in die Boldixumer Straße neben Edeka, später an den Standort in der Wilhelmstraße.
Vom Lamm zur eigenen Herde
Die Gelsenkirchenerin Gaby Brandt, damals noch Gerlach, kam 1975 nach einer Schneiderlehre für eine Saison als Änderungsschneiderin nach Helgoland. Dort lernte sie den gebürtigen Flensburger Klaus Brandt kennen, der auf der Insel als Lehrer arbeitete. Gemeinsam wechselten sie nach Amrum, als dort eine Lehrerstelle frei wurde. Ein Vergleichswettkampf von Klaus Brandts Boxverein mit „Olympia Neumünster“ im Jahr 1978 brachte schließlich das Lamm „Olympia“ als Gastgeschenk auf die Insel, woraus sich eine Herde von bis zu 33 Tieren entwickelte. Das Spinnen der Wolle erlernte Gaby Brandt auf Amrum und brachte es später auch ihrem Mann bei. Über Stationen in Mölln und Pellworm zog das Paar 1986 nach Toftum auf Föhr, wo Flaschenlämmer im Vorgarten aufwuchsen und im Laden neben eigener Wolle auch Strickwaren aus Irland, Dänemark, Bolivien und Peru angeboten wurden.
Blick in die Zukunft
Neben Schafen, Spinnen und Stricken blieb das Nähen für die Schneidermeisterin Alltag. Seit 40 Jahren ist sie Mitglied einer Trachtengruppe, zunächst in Oevenum, später in Utersum. Die eigene Tracht und die ihrer Tochter hat sie selbst genäht – „selbstverständlich“, betont Gaby Brandt mit Gelsenkirchener Einschlag. Ihr Wissen gab sie jahrelang in Volkshochschulkursen und bei Nähabenden weiter. Was sie ab November mit der neuen Freizeit anfangen wird, weiß sie noch nicht: „Erst einmal ausruhen“, sagt sie.