Archäologische Funde zeigen intensive Landnutzung der ersten Siedler in Butjadingen
Neue Ausgrabungsergebnisse aus Hasenburg und Iggewarden offenbaren überraschende Details über das Leben an der Küste um Christi Geburt. Archäologen präsentierten ihre Erkenntnisse im Museum Fedderwardersiel.
Die älteste Siedlung von Menschen in der Wesermarsch bleibt die in Hartwarderwurp bei Rodenkirchen, wo heute das Bronzezeithaus steht und Siedler um 900 vor Christus erste Häuser errichteten. Butjadingen existierte damals noch nicht. „es war Watt“, sagte Wissenschaftlerin Kira Raith vor etwa zwei Dutzend Zuhörern. Im Zuge der Erderwärmung nach der letzten Eiszeit dehnte sich die Nordsee aus, ehe durch anströmendes Sediment Land und etwa einen Meter hohe Strandwälle entstanden. Auf diesen Wällen ließen sich um Christi Geburt die ersten Siedler nieder und schütteten aus Bodenmaterial, Mist und Abfall Wurten auf, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Bis zum Beginn des Deichbaus im Hochmittelalter entstanden in Butjadingen etwa 450 Wurten, was der Region die größte Wurtendichte an der Nordsee einbrachte.
Intensive Landnutzung zwischen den Wurten
Die Archäologen vom Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) in Wilhelmshaven untersuchten erstmals in dieser Systematik an der Nordsee die Flächen zwischen den Wurten. Dabei stellten die Forscher fest, dass die Siedler nahezu jeden Quadratmeter Land nutzten. Archäologe Thorsten Becker bezeichnete dies im Gespräch mit der Kreiszeitung als Überraschung. Mit Bagger und Spaten öffneten die Forscher alte Gräben, Gruben und Brunnen. Da der Klei die Aufschüttungen vom Sauerstoff abschließt, sind die Funde exzellent erhalten. An den Wasserstellen finden sich 2000 Jahre alte Hufabdrücke der Nutztiere, und der würzige Duft des eingebauten Mists steigt den Forschern noch heute in die Nase.Die Siedler bauten Flachs, Gerste und Ackerbohnen an, hielten Rinder sowie Schafe und verhütteten Metall in zugeschütteten Gräben. Auf Prielen konnten sie mit Booten zum Fischen, Handeln oder Tauschen hinausfahren. Süßwasserteiche, sogenannte Fethinge, lagen sowohl in Hasenburg als auch in Iggewarden am Fuß der Wurten, was zeigt, dass diese Ländereien zumindest im Sommer nicht von Salzwasser überflutet wurden. Die Wohnstallhäuser in der römischen Kaiserzeit waren 16 bis 24 Meter lang und 5,50 bis 6,40 Meter breit. Ob sich die Menschen als Chauken empfanden, lässt sich mangels schriftlicher Hinterlassenschaften nicht nachweisen, jedoch geht Thorsten Becker von einem Gemeinschaftsgefühl aus.