Geplante Baumfällungen in der Abbehauser Wisch sorgen für Unmut bei Anwohnern
In der Nordenhamer Abbehauser Wisch sollen bis Ende Februar 96 Bäume gefällt werden. Eine Anwohnerin fordert mehr Transparenz und Ersatzpflanzungen von der Stadtverwaltung.
Viele Bäume hat es in der Marsch noch nie gegeben. Dazu steht hier das Grundwasser zu hoch, der Wind weht von der Nordsee her das ganze Jahr über zu stark, und die salzhaltige Luft bekommt den Blättern auch nicht gut. Aber was seit einigen Jahren in der Abbehauser Wisch mit den wenigen Bäumen entlang der schmalen Betonstraßen passiert, macht Daniela Hoffmann Sorgen. „Ich habe den Eindruck, dass der Bauhof hier nach und nach alles wegnimmt, zum Beispiel am Mitteldeich. Und es kommt nichts nach!“, sagt die 42-Jährige, die mit ihrer Familie am Binnersweg wohnt.
1250 Bäume in zwei Jahren gefällt
Die Stadt Nordenham ist seit einigen Jahren dabei, alle Bäume im Stadtgebiet, für die sie die Verkehrssicherungspflicht hat, digital in einem Baumkataster zu erfassen – das sind rund 20.000. Sollte einer dieser Bäume umfallen, kann die Stadt für Schäden, die dabei entstehen, haftbar gemacht werden. Daher kontrolliert ein Mitarbeiter des Amts für Stadtentwicklung jeden dieser 20.000 Bäume regelmäßig auf seinen Zustand und veranlasst erforderliche Pflegemaßnahmen oder eben eine Fällung. Rund 1250 Bäume sind allein im vergangenen und in diesem Jahr aus dem Stadtbild verschwunden.
Seit Mai ist gelernter Gärtner und Agrarwirt für Baumpflege Benjamin Merbitz für die Baumkontrolle zuständig. Im August ist er auf seiner Tour durchs Stadtgebiet auch im Binnersweg am Grundstück der Familie Hoffmann vorbeigekommen. Bei Daniela Hoffmann ist vom Gespräch, was damals zwischen dem städtischen Mitarbeiter und ihrem Mann stattgefunden hat, vor allem hängengeblieben, dass in der Gegend „ganz viel weg“ müsse.
Sorgen um Klimaschutz und Wunsch nach Dialog
„Bäume sind doch auch ein Beitrag zum Klimaschutz“, sagt sie. Im Sommer spendeten sie Spaziergängern und Radfahrern Schatten, im Winter bremsten sie den Wind und böten Wetterschutz. „Und gerade weil wir hier so wenige Bäume haben, hängt mein Herz an jedem einzelnen“, sagt Daniela Hoffmann. Mit ihren Fragen wandte sie sich an Abbehauser CDU-Ratsherr Torsten Lange, der in der September-Sitzung des Bauausschusses eine entsprechende Anfrage an die Verwaltung stellte. Sie selbst nutzte die Einwohnerfragestunde der Stadtratssitzung am 1. Oktober, um das Thema noch einmal persönlich vorzutragen.
Daraufhin schlug ihr Baudezernentin Maike Schilling als zuständige Vertreterin der Verwaltung ein Telefonat vor, das einige Tage später auch zustande kam. „96 Bäume sollen bis Ende Februar bei uns in der Abbehauser Wisch gefällt werden“, hat Daniela Hoffmann dabei erfahren. Es gehe um die fünf Straßen Kurfürstendamm, Sarver Straße, Abbehauser Wischweg, Neuenweg und Binnersweg. Wobei im Binnersweg nach Auskunft der Baudezernentin nur intensive Pflegemaßnahmen durchgeführt werden sollen, keine Fällungen.
Wo Bäume krank sind, mit ihren Wurzeln den Asphalt hochdrücken oder drohen, bei einem Sturm umzukippen und dabei die Straße aufzureißen, muss etwas passieren – das sieht auch Daniela Hoffmann ein. Sie würde sich aber wünschen, dass anschließend nicht alles kahl bleibt, sondern Ersatz gepflanzt wird – anstelle der Bäume vielleicht auch Hecken: „Das wäre für mich auch eine Alternative.“ Vor allem wünscht sie sich einen offeneren Umgang der Stadtverwaltung mit dem Thema, und dass die Verantwortlichen aktiv auf die Anwohner zugehen, um gemeinsam zu überlegen, was entlang der Straßen in der Wisch sinnvoll und möglich wäre. „Im Moment haben wir vor allem das Gefühl, dass möglichst viele Bäume entnommen werden sollen, damit der Bauhof nicht so viel Aufwand hat“, so Daniela Hoffmann.