Aus für Traditionsgeschäft: Edeka-Markt am Wyker Südstrand schließt Ende Oktober
Der Edeka-Markt in der Wyker Osterstraße stellt zum 30. Oktober seinen Betrieb ein. Damit endet eine knapp 100-jährige Lebensmitteltradition am Südstrand auf Föhr.
Auf der Internetseite des Geschäfskundenbereichs findet sich lediglich der Hinweis „Achtung, Änderungen beim Lieferservice“, während ein Plakat vor dem Markt über die Schließung informiert: „Räumungsverkauf bis 30.10. – alles muss raus.“ Geschäftsinhaber Morten Schmidt bestätigte die Pläne an der Kasse des Marktes, wollte sich dazu jedoch nicht weiter äußern. Bereits Anfang Mai hatte sich eine schwierige Lage abgezeichnet, als der Annahmestelle im „Kaufhaus Südstrand“ sowie im Edeka-Markt an der Boldixumer Straße die Lotto-Lizenz entzogen worden war. Zur Begründung gab der Kaufmann damals an, dass dies mit einem laufenden Insolvenzverfahren rund um seinen Lebensmittelladen zusammenhänge, betonte jedoch: „Der Verkauf in unserem Geschäft am Südstrand geht wie gewohnt weiter.“
Lange Geschichte seit 1927
Morten Schmidt hatte den kleinen Edeka am 1. Mai 2018 von seinen Eltern Gitta Schmidt und Lars Schmidt übernommen, die das Geschäft 1990 gekauft und die Ladenfläche zuletzt auf rund 220 Quadratmeter erweitert hatten. Die Tradition des Lebensmittelgeschäftes in dem Gebäude geht auf das Jahr 1927 zurück. Damals verkaufte Eigentümer Karl Koch seine Waren auf 50 Quadratmetern Verkaufsfläche aus Schubladen, Säcken und Kisten. Selbstbedienung gab es erst ab 1974, nachdem Kochs Nichte Inge Schlichting zusammen mit ihrem Mann Hans Otto das Geschäft übernommen hatte.Folgen für die Anwohner am Südstrand
Rechtsanwalt und Notar Max Forstmann bezeichnet die Schließung als „Ein ganz großer Verlust“ für den Südstrand. Er lebt sechs Monate im Jahr auf Föhr und befürchtet, seine Einkäufe künftig nicht mehr ohne Auto erledigen zu können. Das Quartier hat sich über die Jahre stark verändert: Frühere Einrichtungen wie eine Sparkasse, die Kurverwaltung mit Café oder die Klinik „Sonneneck“, deren 120 Patienten und 80 Mitarbeiter den Markt nutzten, existieren nicht mehr. Zurückgeblieben sind neben dem Edeka nur wenige Kleinbetriebe wie ein Friseur, eine Bäckereifiliale und die Fleischerei Münster.Auch für ehemaligen Lehrer Heinz-Peter Beck bedeutet die Schließung einen erheblichen Einschnitt. Er wohnt in der Nachbarschaft, besitzt kein Auto und nutzte bisher auch den Zustellservice des Marktes. „Der Rest wird geliefert“, erklärt er und fügt hinzu: „Morten macht das alles.“ Beck zeigt sich angesichts des bevorstehenden Aus ratlos: „Ich bin auf den Markt angewiesen. Was für ein Verlust.“