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Wassertragen und Vatersnamen - alte Tauf- und Namensbräuche

Die Taufe spielte auf Helgoland seit jeher eine große gesellschaftliche Rolle - verbunden mit einem besonderen Brauch, dem "Wassertragen", und einer eigenwilligen Art der Namensgebung.

Das Wassertragen

Um 1850 wurde wie heute nach der Messe getauft, doch die Taufgemeinschaft wartete nicht in der Kirche, sondern im Haus des Täuflings. War die Predigt vorbei, setzte sich ein förmlicher Zug in Bewegung: voran die Kinder mit wassergefüllten silbernen Bechern, gefolgt von der Trägerin des Taufkindes, den Paten und den Gästen. Dieser Gang heißt bis heute "Wassertragen". Der Brauch geht auf die Zeit zurück, als Helgoland noch keine eigene Süßwasserversorgung hatte, und unterstreicht die Bedeutung des Süßwassers für die Insulaner. Vor der Kirche trennten sich die Wasserträger vom Zug, gingen durch eine Seitentür hinein und gossen ihr Wasser ins Taufbecken.

Als der Gouverneur den Namen bestimmte

Den Namen bestimmten meist die Eltern - meistens. Als sich 1837 Vater und Mutter nicht einigen konnten, musste der Rat, der zugleich das Gericht war, entscheiden: Das Kind solle Wilhelm heißen. Der Vater war unzufrieden und wandte sich an Gouverneur Sir Henry King, die oberste Richtergewalt. King entschied, das Kind solle Friedrich heißen - und weil man sich seinem Wort besser nicht widersetzte, hieß es fortan Friedrich.

Familiennamen kannten die Helgoländer bis Mitte des 18. Jahrhunderts nicht. Das Kind wurde meist nach dem Großvater benannt, ergänzt um den Taufnamen des Vaters mit der Endung -s oder -en: Hieß der Vater Hans mit Taufnamen Peter, so lautete der Name Peter Hansens, der Enkel wiederum Hans Petersen. So trugen Großvater und Enkel oft denselben Namen. Als 1763 Kirchenbücher mit festen Nachnamen eingeführt werden sollten, interessierte das die Helgoländer wenig - durchsetzen ließ es sich erst unter Strafandrohung.

Quellen:

  • Iip Lun, Ausgabe 34/2025

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