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Von Lotsen, Börte und den Heringen
Was haben Heringe mit Lotsen zu tun? Auf Helgoland eine ganze Menge: Den Fischen ist es zu verdanken, dass die Insel zur Lotseninsel wurde - und dass die berühmte Börte zu ihrem Namen kam.
Reichtum durch den Hering
Im Spätmittelalter war Helgoland ein Kupferlieferant, Heringe fing man nur für den Eigenbedarf. Im 16. Jahrhundert aber tauchten immer größere Heringsschwärme vor der Insel auf; die Zahl der Fangboote stieg von 158 auf 350 mit fast 3.000 Mann Besatzung. Fast hundert Jahre lang sicherten die Heringe den Reichtum der Insel - bis die Schwärme ausblieben und die Fischer sich einen neuen Broterwerb suchen mussten. Einige gingen zum Robbenfang bis nach Grönland, andere wurden Lotsen.
Wie die Börte zu ihrem Namen kam
Niemand kannte die Gewässer rund um Helgoland, die Elbe, Weser und Eider besser als die Insulaner. Verlässliche Seekarten gab es nicht, und so wurden die Helgoländer Lotsen zu gefragten Fachleuten. 1665 wurde ein Lotsenexamen für die Elbe eingeführt, 1682 folgte eine Lotsenverordnung. Weil immer mehr Lotsen um die Aufträge konkurrierten, regelte man ab 1756 per Losverfahren, wer Dienst hatte - auf Helgoländisch "en Beert moake", eine Börte machen. Daraus entstand die Wendung "uun 'e Beert wees" - an der Reihe sein.
Um 1790 lotsten Helgoländer jährlich rund 400 Schiffe. Doch die große Politik machte dem ein Ende: Mit der englischen Blockade ab 1802, der Kontinentalsperre und der britischen Besetzung 1807 endete das Lotsenwesen schlagartig. Nach 1813 übernahmen Lotsenstationen auf dem Festland, und der Dienst verlor für Helgoland seine Bedeutung. Dem Hering aber sei Dank für die Börte.
Quellen:
- Iip Lun, Ausgabe 03/2024