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Die Biologische Anstalt Helgoland – von der Kaiserlichen Post zum BLUE HOUSE
Seit mehr als 130 Jahren wird auf Helgoland Meeresforschung betrieben. 1892 nahm die Biologische Anstalt Helgoland ihren Betrieb im damaligen Kaiserlichen Postamt auf, überstand die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg und wurde 1998 Teil des Alfred-Wegener-Instituts. Heute entsteht am Nord-Ost-Hafen mit dem Neubau des Aquariums und dem BLUE HOUSE ein moderner Forschungs- und Ausstellungsstandort, dessen Eröffnung für den Saisonstart 2027 geplant ist.
Ein Anfang im Kaiserreich
Während im 19. Jahrhundert in Großbritannien, Skandinavien und den USA zoologische Forschungseinrichtungen entstanden, gab es im Deutschen Bund und im Deutschen Kaiserreich keine vergleichbare Meeresstation. Dabei war Helgoland längst ein bewährter Forschungsort: Bereits 1835 wies der Naturforscher Christian Gottfried Ehrenberg auf der Insel nach, dass das Meeresleuchten von dem ungiftigen Einzeller Noctiluca scintillans hervorgerufen wird; rund zehn Jahre später begründete Johannes Müller hier die Planktonforschung.
Mit dem Übergang Helgolands an das Deutsche Reich im Jahr 1890 änderte sich die Lage. Die Zoologische Gesellschaft bat den Kaiser um die Errichtung einer "Königlichen Biologischen Anstalt", die "Lehrenden und Lernenden eine wohnliche Stätte und reiche Hilfsmittel biete, um die Kenntnis des Meeres und seiner Schätze zu fördern und immer weiteren Kreisen unseres Volkes zugänglich zu machen". Das erste Dienstgebäude fand man 1892 im Kaiserlichen Postamt, etwa an der heutigen Professor-Heincke-Straße, Ecke Kurpromenade. Zum Direktor wurde der Zoologe und Gymnasiallehrer Friedrich Heincke bestimmt, der die Anstalt in 29 Dienstjahren Stück für Stück ausbaute. 1902 ersetzte ein Neubau mit Aquarium die frühere Post; die Architektur symbolisierte die damalige Verbindung zur Festung Helgoland.
Zerstörung und Wiederaufbau
Ab Mitte der 1930er-Jahre griff die nationalsozialistische Ideologie auch auf die Insel über. 1936 wurde das Aquarium von 1902 durch ein backsteinernes "Prestigegebäude" ersetzt, ganz auf Linie der Propaganda "Nationalsozialismus ist angewandte Biologie"; es nahm nun fast die gesamte Nord-Ost-Promenade ein.
Nach der Beschlagnahmung der Insel am Ende des Zweiten Weltkrieges versuchten Prof. Hagmeier, Direktor der BAH von 1934 bis 1953, und Dr. Brückmann, Direktor von 1953 bis 1960, von Wedel aus zu retten, was von der Anstalt übrig war. Provisorisch entstand auf Sylt eine Zweigstation; ein Schuppen in der Gärtnerei Hermann Cordes in Wedel wurde zur "Geschäftsstelle der Biologischen Anstalt Helgoland". Nach zahlreichen Eingaben hatte man im August 1946 Erfolg: Am 13.08.1946 legte ein britischer Minensucher neben dem unzerstörten U-Boot-Bunker an. Die Ernüchterung war groß – aufgebrochene Schränke, vernichtete Proben, Manuskripte und Bücher.
Im Februar 1951 kam die verbindliche Zusage der britischen Regierung zur Rückgabe der Insel. 1951 schrieb der Kreis Pinneberg einen Ideenwettbewerb aus; darin hieß es, die Biologische Anstalt "war und soll wieder ein repräsentatives Bauwerk im allgemeinen städtebaulichen Bild darstellen". Eine Besichtigung ergab: "Aquariumteil: Keller und zwei Geschosse noch brauchbar, Mittelteil und Bibliotheksteil weitgehend zerstört" (Quelle: handschriftliche Aufzeichnung von Prof. Hagmeier).
Neubeginn am Nord-Ost-Hafen
Am 19.05.1959 wurden die neue Anstalt nach dem Entwurf von Prof. Gustav Hasenpflug und das Aquarium am Nord-Ost-Hafen eingeweiht. Mit sechs Abteilungen – Zoologie, Physiologie, Botanik, Mikrobiologie, Planktonkunde und Fischereibiologie – begann eine stabile Entwicklung. 20 Jahre dem Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstellt, wurde die Anstalt 1998 Teil der Stiftung Alfred-Wegener-Institut (AWI). Seit den 1960er-Jahren laufen ökologische Langzeituntersuchungen; die Datenserie "Helgoland Reede" gilt als eine der längsten und detailreichsten Planktonreihen weltweit. 1979 kam der Neubau mit dem markanten silbernen Turm gegenüber der Landungsbrücke hinzu, das Ökolabor.
Der Blick nach vorn: das BLUE HOUSE
Das seit 2014 geschlossene Aquarium musste trotz Denkmalschutzes wegen erheblicher Schäden abgerissen werden; der Neubau soll sich äußerlich kaum vom Vorgänger unterscheiden. Die Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes C ist abgeschlossen. Die künftige Ausstellung teilt sich in vier Themenbereiche: "Die Nordsee entsteht" versetzt die Besucher in eine Zeit vor etwa 8.000 Jahren, "Unter Wasser entdecken" zeigt anhand eines 80.000 Liter fassenden Aquariums die Unterwasserwelt Helgolands, ein dritter Bereich widmet sich unter dem Motto "Forschen im Felswatt" den Gezeiten, und "Die Zukunft erkennen" behandelt die weltweite Forschung zum menschengemachten Klimawandel. Die Lücke zwischen dem Gebäude C und dem BLUE HOUSE wird mit einem bläulich schimmernden Glasbau geschlossen, in dem auch das Schülerlabor OPENSEA des Alfred-Wegener-Instituts eine neue Heimat findet. Finanziert wird der Bau durch den Bund, das Land Schleswig-Holstein und die Gemeinde Helgoland; die Eröffnung ist nach heutigem Stand zum Saisonstart 2027 geplant.
Heute zählt die Biologische Anstalt Helgoland zu den beiden Forschungsstationen des Alfred-Wegener-Instituts (Quelle: Wikipedia, "Biologische Anstalt Helgoland").
Quellen:
- Handschriftliche Aufzeichnung von Prof. Hagmeier
- Wikipedia: "Biologische Anstalt Helgoland"
- Iip Lun, Ausgaben 17/2025, 18/2025 und 19/2025