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Der Tausch Sansibar gegen Helgoland - ein hartnäckiger Mythos
Bis heute heißt es im Volksmund, das Deutsche Reich habe 1890 Sansibar gegen Helgoland eingetauscht. Doch so hat es sich nie zugetragen: Der berühmte "Helgoland-Sansibar-Vertrag" regelte in Wahrheit Kolonialgrenzen in Afrika - und Sansibar war dabei nie deutsches Tauschgut.
Ein Kanzlerwechsel und der neue Kurs
Am 15. März 1890 zwang Kaiser Wilhelm II. Reichskanzler Otto von Bismarck zum Rücktritt; die berühmte Karikatur von Sir John Tenniel, "Der Lotse geht von Bord", hielt den Moment fest. Bismarcks Nachfolger, der politisch unerfahrene General Georg Leo von Caprivi, wollte das Nationalbewusstsein stärken und dem Kaiserreich den Status einer Weltmacht verschaffen - wozu aus seiner Sicht auch der Ausbau der Kolonien gehörte.
Was der Vertrag wirklich regelte
Am 1. Juli 1890 schlossen das Deutsche Reich und Großbritannien einen Vertrag, dessen offizieller Name "Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und dem Vereinigten Königreich über die Kolonien und Helgoland" lautet. Er legte die Grenzen der Kolonien in Afrika fest: Die Deutschen überließen den Briten Wituland (im heutigen Kenia) und verzichteten auf Erwerbungen in Uganda, im Betschuanaland (heute Botswana) und an der Somaliküste. Im Gegenzug erhielt das Reich den sogenannten Caprivizipfel, einen Zugang von Deutsch-Südwestafrika (Namibia) zum Sambesi, sowie die Anerkennung der Grenzen Deutsch-Ostafrikas. Und: Die seit 1807 britische Insel Helgoland ging an das Kaiserreich zurück.
Sansibar aber wurde nie eingetauscht. Das Sultanat war zu dieser Zeit unabhängig und niemals eine deutsche Kolonie; das Reich hatte lediglich einen schmalen Küstenstreifen gepachtet und sich als Schutzmacht verstanden. Diese inoffizielle Schutzherrschaft trat man an Großbritannien ab. Bismarck, mittlerweile in Friedrichsruh, kommentierte den Abschluss seines Nachfolgers verstimmt: Mit mehr Ausdauer hätte man Sansibar selbst haben können und nicht die Engländer.
Quellen:
- Iip Lun, Ausgabe 02/2025