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Der lange Weg zum 1. März 1952: Wie Helgoland wieder deutsch wurde

Nach dem Zweiten Weltkrieg unterstand das evakuierte und zerstörte Helgoland der britischen Admiralität und diente der Royal Air Force als Bombenabwurfgelände. Über Jahre kämpften Helgoländer, Vereine und schließlich die bundesdeutsche Politik um die Rückgabe der Insel. Am 1. März 1952 wurde Helgoland feierlich in Besitz genommen – bis heute ein Inselfeiertag.

Eine Insel ohne Souveränität

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 08.05.1945 endeten die Kampfhandlungen des Zweiten Weltkrieges in Europa. Am 11.05.1945 übergab Inselkommandant Alfred Rögglen, Kapitän zur See, die zuvor evakuierte und völlig zerstörte Insel an Gerard Charles Muirhead-Gould, Rear Admiral der Streitkräfte des Vereinigten Königreiches. Helgoland wurde nicht der britischen Militärregierung, sondern der Admiralität unterstellt – ein Hinweis darauf, dass in London an Rückgabe und Wiederaufbau nicht gedacht war. Faktisch unterstand die Insel bis 1952 weder der deutschen noch der britischen Staatssouveränität – eine völkerrechtlich dubiose Situation (Marine-Rundschau, Ausgabe 64, 1967, Seite 214-227).

Der Kampf der Helgoländer

Ab etwa Oktober 1945 nutzte die Royal Air Force die Insel als Übungsgelände für Bombenabwürfe. Eine koordinierte Interessenvertretung gab es zunächst nicht, zumal das Koalitionsverbot für Flüchtlinge in der Britischen Zone vom Frühjahr 1946 auch auf die Helgoländer angewandt wurde (siehe "Protokoll über die Sitzung des Helgoländer-Ausschusses der Kriegsschädenkommission am 29.08.1946", Bericht des Pinneberger Landrates Walter Damm). Einzelne wurden dennoch aktiv: Die Gruppe um Franz Siemens und August Kuchelent gründete am 05.09.1945 ein "Helgoland-Comitée" und verschickte zusammen mit Paul Hugo Lange Briefe an den Haager Schiedshof, die Vereinten Nationen, Papst Pius XII., die Regierung Dänemarks und den Präsidenten der Vereinigten Staaten.

In Sir Douglas Lloyd Savory fand man einen Fürsprecher im House of Commons. Premierminister Clement Richard Attlee, 1. Earl Attlee, und das Außenministerium waren für eine Rückgabe, da die Insel ein Nationalsymbol der Deutschen sei. Doch die Royal Air Force sagte "NO!", und Helgoland wurde weiter als Bombenabwurfgelände genutzt.

Ein Blatt als Sprachrohr

Zur Anlaufstelle wurde der "Club Hallunne Moats", 1924 gegründet und 1947 durch die Britische Militärregierung und die Kulturkammer Hamburg wieder zugelassen. Unter dem Vorsitzenden Arnold Rickmers wurde aus dem Kulturverein ein Verein zum Informationsaustausch. Mit der ersten Ausgabe des "Helgoland – ein Mitteilungsblatt für Hallunner Moats" im August 1948 von James Krüss und Henry Peter Rickmers fanden die Helgoländer ein weiteres Sprachrohr; die Ausgabe trug die Nummer "0", da eine Lizenz zunächst verweigert wurde. Das Blatt entwickelte sich zu einer Nachrichtenbörse und wurde bald auch an deutsche Politiker und Friesen weltweit verschickt – selbst Winston Churchill erhielt Ausgaben.

Besetzung und Rückgabe

Ab 1949 reichten Bundes- und Landtagsfraktionen Anträge zur Wiederbesiedelung und Freigabe ein; am 14.11.1949 debattierte sogar das House of Commons über Helgoland (Aktenzeichen cc2636-7). Am 01.11.1950 übernahm H. P. Rickmers als erster Helgolandbeauftragter das neu eingerichtete Helgoland-Büro der Kreisverwaltung Pinneberg. Weltweite Aufmerksamkeit brachte die friedliche Besetzung der Insel durch die Gruppe um Georg von Hatzfeld, René Leudesdorff und Hubertus Friedrich Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg am 20.12.1950, unterstützt von den Helgoländern Hinrich Lührs und Hans Richartz am 27.12.1950. Die Admiralität stellte daraufhin die Bombardierungen ein.

Hochkommissar Sir Ivone Augustine Kirkpatrick, der höchste britische Diplomat in Deutschland, empfahl dem Außenministerium am 06.01.1951, die Bombardierung einzustellen und die Rückkehr zu gestatten. Am 21. Februar 1951 fiel in einer Kabinettssitzung die Entscheidung, Helgoland freizugeben – allerdings erst zum 1. März 1952, um das diplomatische Gesicht zu wahren (PRO: CAB 131/10). Bei fünf weiteren "Delegationen" wurden 99 Jugendliche verhaftet und zu Gefängnisstrafen zwischen sechs Wochen und sechs Monaten verurteilt.

Die letzten Bomben der Royal Air Force fielen am 12.02.1952; der für den 28.02.1952 geplante letzte Abwurf fand nicht mehr statt. Am 01.03.1952 nahm Ministerpräsident Friedrich-Wilhelm Lübke die Insel mit den Worten "Hisst Flagge!" in Besitz. Im Südhafen wehten die Flaggen der jungen Bundesrepublik und Schleswig-Holsteins; bereits in der Nacht zuvor hatten Helgoländer Fischer mit grünen, roten und weißen Signalfeuern eine neue Ära eingeläutet. Bis heute ist der 1. März ein Inselfeiertag.

Quellen:

  • Marine-Rundschau, Ausgabe 64, 1967, Seite 214-227
  • Protokoll über die Sitzung des Helgoländer-Ausschusses der Kriegsschädenkommission am 29.08.1946 (Bericht des Pinneberger Landrates Walter Damm)
  • House of Commons, Aktenzeichen cc2636-7
  • PRO: CAB 131/10
  • Iip Lun, Ausgabe 01/2025

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