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Das Marinegroßprojekt Hummerschere
Wer an einer Bunkerführung teilnimmt, stößt unweigerlich auf ein gigantisches, nie vollendetes Vorhaben: das Marinegroßprojekt "Hummerschere". Die nationalsozialistische Reichsregierung wollte Helgoland zum größten eisfreien Kriegshafen des Reiches ausbauen - als Gegenstück zum britischen Scapa Flow.
Ein Hafen für die ganze Kriegsmarine
Der Plan wurde 1937 vom Oberkommando der Kriegsmarine beschlossen - trotz der Beschränkungen des Versailler Vertrags - und baute auf den Instandsetzungsarbeiten seit 1920 auf. Bis 1939 entstand durch Aufspülung das Nord-Ost-Land, auf dem Lager, Unterkünfte und später Kasernen errichtet wurden. Für den Bau der Nordmole zog man vom Nord-Ost-Land eine 1.160 Meter lange Transportbrücke bis zur Langen Anna; zwei ihrer Abschnitte stehen bis heute. Auch die Düne, damals militärisches Sperrgebiet, erhielt einen Bauhafen und Dämme. Im September 1939 begann im Südhafen der Bau des U-Boot-Bunkers "Nordsee III" für bis zu 18 kleine U-Boote.
Ein Projekt für 30 Jahre
Grundlage für die schiere Größe war der Z-Plan des Großadmirals Erich Raeder, des Oberbefehlshabers der Kriegsmarine. Der geplante Marinehafen von sechs mal zwei Kilometern sollte insgesamt zehn Schlachtschiffe, vier Flugzeugträger, zahlreiche Kreuzer, 158 Zerstörer und Torpedoboote sowie 249 U-Boote aufnehmen. Für die Bauarbeiten wurden rund 4.000 Zwangsarbeiter und 1.500 Soldaten auf die Insel gebracht; Tankschiffe versorgten die nun 8.000 Menschen mit Wasser.
Bereits 1941 wurden die Arbeiten am auf 30 Jahre angelegten Projekt kriegsbedingt eingestellt; lediglich der Wiederaufbau der im Ersten Weltkrieg zerstörten Hafenanlagen wurde bis 1943 im Wesentlichen abgeschlossen. Übrig blieben stille Zeugen aus Beton, die noch heute vom größenwahnsinnigen Vorhaben künden.
Quellen:
- Iip Lun, Ausgabe 14/2025