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Besondere Schiffe vor Helgoland - und warum sie hier liegen
Wer von Helgoland aus über die offene Nordsee blickt, sieht fast immer dieselben markanten Schiffe vor der Insel oder im Hafen liegen. Fünf von ihnen - ein Seenotrettungskreuzer, zwei Hochseeschlepper, ein historischer Dampfeisbrecher und ein Segelschulschiff - haben besondere Aufgaben und noch bemerkenswertere Geschichten.
Die "Hermann Marwede" - das größte Rettungsschiff der Welt
Das auffälligste Schiff ist die weiß-rote "Hermann Marwede". Die Farbgebung und die drei Buchstaben "SAR" (Search and Rescue) am Bug verraten es schon von Weitem: Dies ist ein Seenotrettungskreuzer der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Der "Retter", wie er auf Helgoland liebevoll genannt wird, ist seit dem 9. September 2003 hier stationiert und löste die "Wilhelm Kaisen" ab. Mit 46 Metern Länge und fast 11 Metern Breite ist er der größte Kreuzer der DGzRS und gilt als größtes Rettungsschiff der Welt.
Unter der Haube arbeiten drei MTU-Dieselmotoren mit zusammen 6.800 kW (9.250 PS); an Bord finden sich ein Bordhospital, eine Feuerlöschanlage und das Tochterboot "Verena". Wie alle Nachkriegskreuzer der DGzRS ist auch die "Hermann Marwede" ein Selbstaufrichter, der sich nach einem Kentern von selbst wieder in die normale Schwimmlage dreht. Die 16-köpfige Stammbesatzung fährt im Wechsel: Jeweils acht Leute leisten zwei Wochen lang rund um die Uhr Dienst, ehe sie in Cuxhaven abgelöst werden. Ihr Standort ist kein Zufall - Helgoland liegt am berüchtigten "nassen Dreieck" der Deutschen Bucht, wo sich rund 16 Seemeilen westlich der Insel die Schifffahrtswege zu einer der meistbefahrenen Großschifffahrtsstraßen der Welt vereinigen.
"Nordic" und "Baltic" - Wache seit der "Pallas"
Ein weiteres großes Schiff liegt fast immer in Sichtweite: der Hochsee-Bergungsschlepper "Nordic" mit seinen zwei turmartigen Aufbauten und dem schwarz-rot-golden lackierten Rumpf. Seine Aufgabe entstand als Folge der "Pallas"-Havarie 1998, als ein brennender Frachter vier Tage in der Nordsee trieb und schließlich nahe Amrum auf Grund lief. Die dabei festgestellten Mängel in der Koordination der Sicherheitskräfte führten zur Gründung des Havariekommandos in Cuxhaven, das seither das "Sicherheitskonzept Deutsche Küste" umsetzt.
Die rund 50 Millionen Euro teure "Nordic" gilt als leistungsfähigster und schnellster Bergungsschlepper in deutschen Gewässern und hält an 356 Tagen im Jahr eine feste Position vor Helgoland. Zwei MTU-Motoren mit zusammen 17.200 kW bringen sie auf fast 20 Knoten, sodass sie jeden Punkt der Deutschen Bucht in weniger als drei Stunden erreicht; Aufbau und Maschinenraum lassen sich gasdicht verschließen. Muss die "Nordic" in die Werft - derzeit liegt sie im Schwimmdock 3 in Bremerhaven -, übernimmt die "Baltic" ihren Posten. Das Deutsche Notschleppkonzept schreibt für jeden Notfallort auf See eine maximale Eingreifzeit von zwei Stunden vor. Die "Baltic" ist normalerweise in der Ostsee stationiert und wurde bereits wenige Tage nach ihrer Indienststellung 2010 beim Brand der Fähre "Lisco Gloria" vor Fehmarn gebraucht. Ihre Farbkennzeichnung der Küstenwache erhielt sie übrigens erst nach dem Stranden der "Glory Amsterdam" 2017 - deren Kapitän hatte die damals eingesetzte "Nordic" für ein kommerzielles Schiff gehalten und das vermeintlich kostenpflichtige Abschleppen verweigert.
Der Dampfeisbrecher "Wal" - Helfer der ersten Stunde
Wenn ein historischer Dampfer vor Helgoland liegt, ist es oft die "Wal". Der Eisbrecher wurde im März 1937 bei den Stettiner Oderwerken in Auftrag gegeben, lief am 5. Mai 1938 vom Stapel und kostete damals 626.996 Reichsmark - nach heutiger Kaufkraft rund 3,2 Millionen Euro. Ihr angestammtes Revier war der Kaiser-Wilhelm-Kanal, der heutige Nord-Ostsee-Kanal. Im Zweiten Weltkrieg diente sie der Kriegsmarine, wurde 1942 beim "Vier-Tage-Angriff" der Royal Air Force auf Rostock beschädigt und versenkt, später gehoben und im März 1945 für Flüchtlingstransporte über die Ostsee eingesetzt.
Bis 1963 mit Kohle befeuert, dann auf Öl umgerüstet, versah die "Wal" ihren Dienst bis 1987; 1988 stellte das Bundesverkehrsministerium das letzte Dampfschiff seiner Art außer Dienst. Der Verein Schiffahrts-Compagnie Bremerhaven kaufte sie für 48.000 D-Mark und restaurierte den Dampfeisbrecher unter Wahrung der historischen Substanz. Ihre Verbindung zu Helgoland reicht bis in die Wiederaufbauzeit: 1952 transportierte die "Wal" Trinkwasser und Versorgungsgüter auf die noch völlig zerstörte Insel. Heute unternimmt sie mehrtägige Ausflugsfahrten und liegt dabei regelmäßig auf der Helgoländer Reede.
Die "Großherzogin Elisabeth" - vom Frachtsegler zum Schulschiff
Drei hohe Masten und 800 Quadratmeter weiße Segelfläche machen den Gaffelschoner "Großherzogin Elisabeth", liebevoll "Lissi" genannt, zum Blickfang. Ihre Geschichte ist eng mit dem Schicksal des Dreimastschoners "San Antonio" verbunden: Als der kaiserliche Kreuzer SMS "Lübeck" 1908 bei einer Übung mit ihm kollidierte und ihn versenkte, verurteilte das Seegericht Kiel die Marine zum Bau eines Ersatzschiffes. Der Reeder Andreas Hammerstein ließ bei der niederländischen Werft Jan Smit gleich Verbesserungen einbauen - die neue "San Antonio" war der weltweit erste Frachtsegelschoner mit einem 160 PS starken Dieselmotor und klappbaren Masten.
Nach dem Krieg folgten mehrere Eigner- und Namenswechsel, bis der Elsflether Reeder Horst Werner Janssen das unter dem Namen "Ariadne" fahrende Schiff 1981 wiederentdeckte und nach Elsfleth überführen ließ. Am 12. Juni 1982 taufte die Herzogin Ameli von Oldenburg es auf den Namen "Großherzogin Elisabeth". 1993 brannte bei Reparaturarbeiten die gesamte Inneneinrichtung aus; nur rund 60 Prozent blieben erhalten, der Wiederaufbau kostete 4,3 Millionen Euro. Heute dient die "Lissi" der Jade Hochschule in Elsfleth zu Ausbildungsfahrten und bietet von Ostern bis Oktober Reisen an - und liegt dabei immer wieder auf der Helgoländer Reede.
Quellen:
- DGzRS - Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger
- Havariekommando Cuxhaven
- Schulschiffverein Großherzogin Elisabeth e.V.
- Deutsche Bundesbank - Kaufkraftäquivalente historischer Beträge
- Iip Lun, Ausgaben 05/2025, 06/2025, 08/2025, 20/2025 und 28/2025