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Akker statt Garten - der Kleingartenverein Helgoland
Feigen, Grünkohl und Kürbisse auf einem sturmumtosten Felsen mitten in der Nordsee - was unwahrscheinlich klingt, hat auf Helgoland eine lange Tradition. Die Kleingärten der Insel waren über Generationen kein Freizeitvergnügen, sondern überlebenswichtig.
Von der Selbstversorgung zum Verein
Der Kleingartenverein Helgoland e.V. wurde im Sommer 1968 gegründet, doch die Geschichte der Gärten reicht viel weiter zurück. Wegen der Entfernung zum Festland spielten Ackerbau und Viehzucht schon immer eine große Rolle; eine historische Inselkarte von 1639 zeigt bereits Weidewiesen und Ackerland. Während die Männer zum Lotsendienst eingeteilt waren oder zum Fischfang ausfuhren, erledigten die Frauen die Feldarbeit. In den "Goldenen Zwanzigern" war die Kartoffel die vorherrschende Pflanze; die Felder erstreckten sich vom Süden über das Oberland bis in den Norden, dazwischen Kohl, Erbsen und Rhabarber.
Der Zweite Weltkrieg und die Bombardements zogen auch die Kleingärten schwer in Mitleidenschaft. Erst 1957, fünf Jahre nach der Wiederfreigabe, steckten die Helgoländer die ersten Parzellen wieder ab - zunächst rein zur Versorgung der Familien mit Kartoffeln und Kohl.
80 Parzellen im Wind
Heute umfasst die Anlage rund 80 Parzellen auf etwa 8.000 Quadratmetern. Mit durchschnittlich 60 bis 100 Quadratmetern sind sie deutlich kleiner als der bundesweite Schnitt von 370 Quadratmetern, tragen aber Erstaunliches: Neben Kartoffeln und Wurzelgemüse gedeihen Kräuter, Kürbis, Erdbeeren, sogar Feigen und - in fest verzurrten Gewächshäusern - Tomaten, Auberginen und Physalis. Der Wind kann kräftig zupacken; nach einem Sturm fanden sich Teile eines Gewächshauses auf der Düne wieder. Kleine Gartentore an fast allen Zugängen schützen die Beete vor den frei umherlaufenden Schafen.
Auf Helgoland heißt der Garten übrigens nicht "Gooar", sondern in Anlehnung an seine Nutzung "Akker". Und weil ein Helgoländer seinen Akker nur im äußersten Notfall aufgibt, beträgt die Wartezeit zwei bis drei Jahre. Eine Kuriosität aus den 1960er-Jahren: Eine Bauvorschrift schrieb vor, dass die Gartenlauben nicht höher sein dürfen als der Gartenzaun - damit niemandem der Blick aufs Meer verstellt wird.
Quellen:
- Iip Lun, Ausgabe 07/2025