Vereidigung an der Marineoperationsschule: Carlo Masala mahnt vor Bedrohung durch Russland
Bei der Vereidigung von 176 Rekruten der Marineoperationsschule in Bremerhaven hat Militärexperte Carlo Masala auf die ernste Sicherheitslage und eine mögliche Konfrontation mit Russland hingewiesen.
Im Schaufenster Fischereihafen in Bremerhaven sind am Donnerstagabend 176 Rekruten der Marineoperationsschule (MOS) bei Temperaturen um den Gefrierpunkt vereidigt worden. Vor den angetretenen Soldaten, darunter 21 Frauen, ordnete Gastredner Carlo Masala die sicherheitspolitische Lage ein. Carlo Masala, Inhaber des Lehrstuhls für Sicherheit- und Verteidigungspolitik der Universität der Bundeswehr in München, sprach während der Vereidigung davon, wie schwierig die sicherheitspolitische Situation im Land ist, berichtet die Nordsee-Zeitung. Es sei so „gefährlich wie seit 70 oder 75 Jahren nicht mehr“. Den Grund dafür sah er in „revisionistischen Mächten, die Deutschland mit aller Macht herausfordern“. Angestrebt sei von deren Seite eine Weltordnung, die „wenig mit dem zu tun hat, was wir kennen“. Masala nahm dabei Russland in den Blick, ein Land, das nach seinen Worten „deutlich macht, nicht mit dem Ukraine-Krieg aufhören zu wollen“. Mit Bezug auf die militärischen Nachrichtendienste erklärte er, dort werde damit gerechnet, „dass Russland 2029 oder 2030 so weit sein könnte, einen Angriff auf europäisches Nato-Gebiet vorzunehmen“.
Appell an Rekruten und Angehörige
Der Militärexperte erinnerte die MOS-Rekruten an ihre Pflichten, einen Beitrag dazu zu leisten, Gegner von einem Angriff auf Nato-Territorium abzuhalten. Dies gelte umso mehr, als nicht sicher sei, ob die einstige Schutzmacht USA die alte Rolle fortführt. Masala appellierte an die Rekruten, kritisch zu denken: Sie seien „Soldaten und Staatsbürger in Uniform – und kein willfähriges Instrument“. An die Angehörigen am Fischbahnhof gerichtet sagte er: „Es ist Ihre Aufgabe, Ihren Töchtern und Söhnen Rückhalt zu geben“. Zu Beginn der Zeremonie war Masala gemeinsam mit MOS-Kommandeur und Kapitän zur See Andreas Seidl sowie Leiter der Lehrgruppeneinheit und Fregattenkapitän Fabian Jahr die Reihen abgeschritten, begleitet von der Musik des Marinemusikkorps Wilhelmshaven.
Werte des militärischen Dienstes
MOS-Kommandeur und Kapitän zur See Andreas Seidl hob die Bedeutung des Gelöbnisses als „Moment der Bindung an eine besondere Verantwortung“ hervor. Er führte vier Eigenschaften an, die ein Soldat mitbringen soll: So müsse „Freiheitsliebe“ der wesentliche Beweggrund für das Handeln sein, während er „Tapferkeit“ als die „bewusste Entscheidung“ beschrieb, „sich seiner Angst zu stellen, statt vor ihr wegzulaufen“. Zudem sei „Ritterlichkeit“ ein „Ausdruck innerer Disziplin und eines aufgeklärten Selbstverständnisses“. Dies sowie „Kameradschaft“ forme einen Soldaten. Seidl rief dazu auf, sich den „oft fordernden Aufgaben“ der Streitkräfte zu stellen.
Zukunftspläne zweier Rekruten
Zu diesen Aufgaben bereit ist Rekrutin Aurelia (19) aus der Nähe von Würzburg. „Es war immer mein Wunsch, zur Bundeswehr zu gehen. Ich will dem Land etwas zurückgeben“, berichtet sie über ihre Motivation. Sie wolle sich zunächst für ein Jahr ausprobieren und werde in der Verwendungsreihe 25 eingesetzt, womit ihr primärer Arbeitsplatz die Operationszentrale an Bord von Fregatten oder Korvetten ist. Neben ihrem Faible für die See teilt auch Rekrut Moritz (20) aus Bocholt die Liebe zum Meer. Über seinen Antrieb, an der MOS angefangen zu haben, sagte er: „Soldaten sind für mich von klein auf Helden gewesen.“ Er hat sich für zwölf Jahre verpflichtet und will im Bereich der Materialbewirtschaftung im Lager und der Logistik arbeiten. Beide Rekruten bleiben nicht in Bremerhaven, sondern setzen ihren Weg nach eigenen Worten in Wilhelmshaven fort.
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