Pläne für Bremerhavens Columbusstraße: Teilrückbau und neue Sichtachse rücken näher
Ein neues Verkehrsgutachten ebnet den Weg für die Umgestaltung der Columbusstraße. Geplant sind weniger Verkehrsfläche und eine fußgängerfreundliche Verbindung zwischen Hafen und Innenstadt.
Die vielspurige Straße wird heute als Trennlinie zwischen der klassischen Innenstadt und den Havenwelten wahrgenommen. Zudem fügte Olaf Orb von der Handelskammer noch hinzu, sie sei „optisch eine Zumutung“. Die Handelskammer hatte daher am Donnerstagabend ins Kammergebäude eingeladen, um über die Zukunft der Columbusstraße zu sprechen. Vor voll besetzten Zuhörerreihen einigten sich Experten, Wirtschaftsvertreter und politische Entscheider darauf, dass die Columbusstraße in gewissem Umfang zurückgebaut werden soll.
„Das ist aus Sicht der Handelskammer eine historische Chance, zwei bisher voneinander getrennte Stadtbereiche zu verbinden“, betonte André Grobien, Präses der IHK für Bremen und Bremerhaven. Das alles sei möglich, ohne die verkehrliche Leistungsfähigkeit der Columbusstraße einzuschränken. „Die Bernard-Gruppe hat uns das ‚Go‘ gegeben“, fügte Dr. Frank Thoss von der Handelskammer hinzu.
Neues Gutachten der Bernard-Gruppe
Ina Lange von der Bernard-Gruppe stellte dazu ein neues Verkehrsgutachten vor, das an jenes anknüpfte, das Ende Oktober 2021 vorgestellt worden war. Kernaussage ist, dass rund ein halber Hektar Verkehrsfläche der Columbusstraße zukunftsorientiert umgewidmet werden könnte, ohne dass die Autofahrer darunter leiden. Sogar die neue Fußgängerquerung könnte problemlos eingerichtet werden, ohne dass es zu übermäßigen Rückstaus oder Wartezeiten käme. Der Verkehr auf der Straße habe sich zwischen 2019 und 2025 ohnehin verringert, in der Vormittagsspitze gar um 16 Prozent, wie die Nordsee-Zeitung berichtet.Die Handelskammer hatte dank eines Auftrags an die Stadtplaner von „De Zwarte Hond“ Visualisierungen vorbereitet, die zeigen, wie es nach Verschlankung der Columbusstraße und Schaffung der Freiraumachse aussehen könnte: grün, einladend und mit kurzen Wegen für Fußgänger. Die von Bäumen gesäumte Freiraum-Achse führt auf die Große Kirche zu; zu sehen sind links das geplante Hilton-Hotel, rechts das Columbus-Center und weiter hinten rechts das NOVO. Auf dem Podium erklärte zudem IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Matthias Fonger seinen Standpunkt.
Zustimmung der Koalition und offene Finanzierungsfragen
Baustadtrat Maximilian Charlet (CDU) bewertete im anschließenden Gespräch mit Moderator Christoph Linne, Chefredakteur der NORDSEE-ZEITUNG, die Ergebnisse der Bernard-Gruppe und die Visualisierungen sehr positiv. Seine Mitarbeiter arbeiteten schon seit Anfang des Jahres an ähnlichen Überlegungen. Charlet sagte, dass bei entsprechenden politischen Beschlüssen im Herbst 2027 die Ausführungsplanung beginnen könnte. Bis 2029 könnte zumindest die neue Querung im Bereich der neuen Sichtachse fertiggestellt werden.Die Vertreter der Koalition aus SPD, CDU und FDP stellten sich in der Podiumsdiskussion hinter diese Vision. Thomas Ventzke (CDU), der sich lange Zeit ablehnend gegenüber einem Rückbau positioniert hatte, stimmte zu und erklärte, dass dringend ein „Kümmerer“ für die Innenstadt benötigt werde. „Ich bin sicher, dass wir noch in dieser Legislatur die entsprechenden Beschlüsse fassen“, erklärte Marko Miholic (FDP). Die Grünen hätten sich hingegen einen noch mutigeren Rückbau gewünscht, wie Claudius Kaminiarz kommentierte.
Vor dem Umbau der Columbusstraße sind noch Fragen zu klären, etwa jene nach der Finanzierung. Baustadtrat Charlet machte deutlich, dass die Umwandlung von Verkehrsfläche rund 400 Euro pro Quadratmeter kostet. Nur die neue Querung der Columbusstraße sei demnach mit rund einer Million Euro Baukosten zu taxieren. Überdies muss die Gesamtzahl der Baustellen in der Stadt im Auge behalten werden, da die Sanierungen der A27 und der Brücke Stresemannstraße Autofahrer bereits belasten.
Debatte über Freiraumachse und Innenstadtentwicklung
Neben der Verjüngung der Columbusstraße wurde von der Handelskammer auch die Bedeutung der geplanten Freiraumachse für Fußgänger zwischen Hafen und Kirche unterstrichen. „Das wertet beide Bereiche, Innenstadt und Havenwelten, auf“, betonte Unternehmer Julius Kramer.Sönke Allers (SPD) freute sich, dass die Handelskammer nicht nur die Freiraumachse, sondern auch das geplante NOVO-Projekt unterstützt. Thomas Jürgewitz (Bürger in Wut) bezweifelte allerdings, dass die Sichtachse reichen werde, um die Besucher der Havenwelten in die Innenstadt zu locken, wenn die Innenstadt nicht attraktiver gestaltet werde.