Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek sichert Lebenswerk von Gisela Meyer-Hahn
Die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel übernimmt und archiviert den Vorlass der Pinneberger Lichtkünstlerin Gisela Meyer-Hahn. Neben Objekten werden auch Entwürfe, Fotografien und Tonaufnahmen gesichert.
Von Farb-Licht-Konzerten in Pinneberg bis zur „Tänzerin im Wind“ auf dem Rantzauer See in Barmstedt leben die Projekte von Gisela Meyer-Hahn von Licht, Bewegung und Klang, wie die shz berichtet. Doch die Künstlerin beschäftigte sich lange mit der Frage, was nach dem Erlöschen des Lichts und dem Abbau einer Installation bleibt. „In meiner direkten Familie interessiert es niemanden. Die jüngere Generation ist in aller Welt zerstreut. Die leben sonst wo. Die sagen: Gott, oh Gott, hängt mir das bloß nicht ans Bein“, sagt sie. Sie erkundigte sich daher bei verschiedenen Stellen, was mit Werken geschieht, die an einem Ort geschaffen wurden, aber durch spätere Bauarbeiten verschwinden: „Was passiert mit diesen Arbeiten, wenn der Bagger kommt und nichts mehr davon übrig ist?“
Umfangreiches Archiv in Kiel
Mit der Aufnahme durch die Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek in Kiel zeichnet sich nun eine Lösung ab. „Sozusagen als Vorlass von einem Nachlass, wenn man so will“, so Meyer-Hahn. Bereits Mitte des Jahres begann die 74-Jährige damit, Unterlagen zu ordnen und zu beschriften. „Ich finde das ganz großartig. Es ist eine große Ehre“, sagt die Künstlerin, in deren Materialien rund 40 Jahre künstlerischer Arbeit und Erfahrungen aus internationalen Symposien stecken.
Meyer-Hahn arbeitet mit Farbe, Licht, Klang, Textilien und Raum, wobei ihre Konzerte musikalische Werke mit Lichtchoreografien verbinden. Bei dieser Synästhesie hört sie Töne, wenn sie Farben sieht. Auch im öffentlichen Raum setzte sie Projekte um: 2010 beteiligten sich Bürger an einer Lichtaktion an der Pinneberger Hochbrücke, zudem inszenierte sie Windkraftanlagen mit farbigen Lichtkompositionen und illuminierte die Steilfelsen auf Helgoland.
Herausforderungen bei der Dokumentation
„Ein Kunstwerk lässt sich nicht so einfach in einen Karton legen“, sagt sie mit Blick auf die Archivierung. Daher werden in Kiel auch Zeichnungen, Entwürfe, Fotografien, Stoffe und Tonaufnahmen gesammelt, die Entstehung und Umsetzung dokumentieren. So sollen Teile der Textilien der Tänzerin, Entwicklungsstufen von Glasarbeiten und eine vollständige Lampe aufbewahrt werden. Meyer-Hahn ordnet dafür ihre Projekte, um deren Herkunft nachvollziehbar zu machen. Dass Werke verloren gehen können, erlebte sie während der Corona-Zeit, als sie mangels Aufbewahrungsmöglichkeit Architekturmodelle entsorgte.
Die Sicherung in Kiel war für sie auch ein Anlass, auf Pinneberg zu blicken: „Ich habe mich an die Stadt gewandt, um herauszufinden, was mit den Dokumentationen und Materialien zu meinen Kunstprojekten in Pinneberg geschieht.“ Eine konkrete Perspektive zur Sicherung ergab sich dort nicht, und es wurde nichts angefordert. Dabei finden sich dort weiterhin Spuren ihrer Arbeit, etwa Glasarbeiten im Schulzentrum Nord sowie Raum- und Farbkonzepte in der Theodor-Heuss-Schule. In Kiel sieht sie die Möglichkeit zur Vernetzung mit anderen Sammlungen und wissenschaftlichen Einrichtungen. Meyer-Hahn: „Die Arbeiten sind nicht weg, sondern in Kartons. Und wann immer einer kommt und sagt, ich will mal gucken, kriegt er einen Termin.“
Zudem steuert Meyer-Hahn auf Bitte der Veranstalter eine Arbeit zu den „Fürther Glanzlichtern 2026“ bei, nachdem Vorschläge anderer Künstler für die Jury nicht umsetzbar waren. Am Freitag und Samstag, 6. und 7. November, jeweils von 17 bis 22 Uhr, zeigt sie am Rathausturm in Fürth unter dem Motto „Jubiläen und Gedenktage“ die Lichtinstallation „Entdeckungsreise am Rathausturm“. Anlässlich des 575. Geburtstags von Christoph Kolumbus setzt die abstrakte Farb-Licht-Komposition die Turmfassade in Szene und folgt dem Gedankenspiel, ob der Weltensegler einst den Rathausturm entdeckt haben könnte.