Geplantes Kolonialdenkmal in Flensburg: Jury zeichnet drei Siegerentwürfe aus
Mehr als 4900 Bürger haben sich an der Abstimmung über ein Denkmal zur Flensburger Kolonialgeschichte beteiligt. Nun hat die Jury drei Favoriten prämiert, über deren Realisierung die Kommunalpolitik entscheiden muss.
Es wäre das erste Denkmal zur Kolonialgeschichte in Flensburg. Den Initiatoren der Abstimmung im September ist es wichtig, mit einem Gedenkort in Hafennähe zu betonen, wie die Stadt und ihre Händler im 18. und 19. Jahrhundert zu Reichtum gelangten: Indem sie Zuckerrohr und Rum verkauften, die durch die Ausbeutung von Sklaven in den dänischen Kolonien in der Karibik erst angeliefert werden konnten. Mit einer Plakataktion hatte das Netzwerk Flensburg Postkolonial darauf zuletzt im Januar aufmerksam gemacht. Sie zeigten 15 Kolonialdenkmäler aus der ganzen Welt und forderten eines für Flensburg, woraufhin wenige Monate später der Ideenwettbewerb startete.
Insgesamt gingen 94 Entwürfe für ein Denkmal zu diesem dunklen Kapitel ein, von denen es 19 in die Abstimmungsphase schafften. Bis zum 30. September konnten Flensburger über ihren Favoriten für ein neues Kolonialdenkmal im Hafengebiet abstimmen, wie die shz berichtet. Dabei gingen 4404 Stimmen online ein, während 513 Menschen die Abstimmung per Postkarte im Schifffahrtsmuseum nutzten, wo alle 19 Entwürfe zu sehen waren. Die zwölfköpfige Jury hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, zu der die kulturpolitischen Sprecher der Ratsfraktionen, Wissenschaftler und ein ehemaliger Senator der Virgin Islands gehören.
Drei Arbeiten ausgezeichnet und Preisgeld aufgestockt
Die Entwürfe „Flensburger Gold“ von Philip Kojo Metz und Safa Al-Ameedee (Nummer 5 auf der Abstimmungsseite), „Ballast“ von Chenzira Davis-Kahina, Tilman Plath, Timo von Kriegstein und Lutz-Rainer Müller (Nummer 4) und „How to navigate a ruin“ von La Vaughn Belle (Nummer 9) überzeugten das Gremium.„Das Preisgericht diskutierte intensiv“, betont Stadtverwaltungssprecherin Antje Walther. Um allen drei Entwürfen ihren Tribut zollen zu können, erhöhte die Jury das Preisgeld von ursprünglich 6000 auf 9000 Euro. Alle drei einreichenden Teams sollen nun jeweils 3000 Euro für ihre Arbeit bekommen.
Ausschluss eines Entwurfs und Mängel bei Online-Abstimmung
Einen der 19 Entwürfe disqualifizierte die Jury im Beratungsprozess trotz vieler Stimmen dafür: „Weg der Erinnerung“ von tsj-architekten (Nummer 2). „Die Jury sieht den Entwurf als sehr problematisch an, weil er ‚die Opfer‘ adressiert, Stereotype reproduziert und ein Gefühl von Leid reproduziert. Die verkohlten Holzstelen stuft die Jury als heikle Assoziation ein und identifiziert Falschinformationen im Entwurf“, heißt es aus dem Rathaus. Auch der spezifische Bezug zu Flensburg sei vermisst worden. Die Architekten hatten eine Stelenkonstruktion erdacht, in der Besucher zwischen einer metallisch glänzenden Wand und den genannten Holzstelen hätten entlanggehen können.Ein weiteres Problem beschäftigte das Preisgericht: Die digitale Stimmabgabe war fehleranfällig, denn jeder konnte ohne Registrierung im Zweifel mehrfach abstimmen, wodurch das Ergebnis verzerrt werden konnte. Bereits zu Anfang der Abstimmung hatten Mitglieder des Netzwerks Flensburg Postkolonial dieses Schlupfloch kritisiert.
„Jury und Initiatoren waren sich deshalb einig darin, dass die Online-Abstimmung damit keine belastbare Basis für die Preisvergabe sein konnte“, so Walther. Gleichzeitig erforderte die Richtlinie für Planungswettbewerbe ein Preisgericht. Daher tagte die Jury noch einmal. Zu den Stimmen berücksichtigte sie auch die Kommentare zu allen Entwürfen auf der Abstimmungsseite flensburg-mitmachen.de.