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Historische Einordnung: Neue Infotafel am Itzehoer Neunerdenkmal aufgestellt

Eine neue Infotafel am Neunerdenkmal in Itzehoe klärt über die Biografien zweier umstrittener Militärgrößen auf. Kirche, Stadt und Heimatverband begegnen damit der schwierigen Vergangenheit der Gedenkstätte.

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Eine neue Infotafel am Itzehoer Neunerdenkmal ordnet die Biografien zweier Militärgrößen aus der Kaiser- und NS-Zeit neu ein. Die Kirchengemeinde, die Stadt und der Heimatverband Steinburg wollen damit die schwierige Vergangenheit der Soldaten transparent machen. Die Initiative geht auf den Kirchengemeinderat zurück, auf dessen Grund die Denkmäler stehen.

Das sieben Tonnen schwere und mehrere Meter hohe Neunerdenkmal steht seit 1925 neben der St.-Laurentii-Kirche in Itzehoe und erinnert an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten des neunten Feldartillerie-Regiments. Seit 1955 befinden sich rechts und links davon zwei Gedenksteine, die Generalfeldmarschall Alfred von Waldersee und Artillerieoffizier Werner von Fritsch gewidmet sind, wie die shz berichtet. Bereits seit 2003 stand vor dem Denkmal eine Tafel des Heimatverbands Steinburg, die jedoch unvollständig war. Historiker Ingo Lafrentz, der den neuen Text verfasste, erklärt dazu: „Die Tafel hörte nach den Namen der beiden Männer auf“.

Hintergrund der historischen Persönlichkeiten

Alfred von Waldersee war preußischer Generalfeldmarschall, befehligte lange Militäreinheiten in Hannover und leitete vom 12. September 1896 bis zu seinem Tod am 5. März 1904 das Feldartillerie-Regiment Nr. 9 in Itzehoe. Um das Jahr 1900 schlug er mit seinen Truppen den Boxeraufstand in China blutig nieder, einen bewaffneten Konflikt zwischen chinesischen Nationalisten und Großmächten wie den USA, dem Deutschen Reich und Frankreich. Dabei ging er sehr brutal vor und ließ zahlreiche Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, töten. Seit 1902 ist er Ehrenbürger von Itzehoe, zudem war eine Kaserne in Hohenlockstedt nach ihm benannt.

Werner von Fritsch diente im Kaiserreich sowie im Dritten Reich und war seit 1934 Chef der Heeresleitung, ehe er 1938 gestürzt wurde. „Von Fritsch galt als Widerständler, aber er war ein blühender Antisemit“, sagt Ingo Lafrentz. Nach ihm war von 1964 bis 2008 die Freiherr-von-Fritsch-Kaserne in Breitenburg benannt.

Reaktionen von Kirche, Stadt und Heimatverband

Pastorin Wiebke Bähnk äußert sich zur Aufstellung der neuen Tafel: „Die Biografien der Männer haben Aspekte, die anstößig sind“. Die Kirche wolle keine Informationen zurückhalten und befürworte die Aufklärung. „Welche Diskussionen daraus jetzt entstehen, müssen wir sehen. Vielleicht kommt auch die Frage auf, ob diese Denkmäler überhaupt so stehen bleiben sollen“, sagt sie.

Bürgermeister Ralf Hoppe stellte diese Frage nicht: „Diese neue Tafel ist eine tolle Art, wie man mit Geschichte umgehen kann. In anderen Städten werden solche Denkmäler einfach abgerissen“. Er zeigte sich dankbar für die Initiative der Kirchengemeinde und ergänzte: „Ganz häufig passiert es, dass die Stadt in der Verantwortung ist, solche Schilder aufzustellen.“ Da die Fläche der Kirche gehört, lag die Zuständigkeit hier nicht bei der Stadt.

Zustand des Denkmals und historischer Zeitgeist

Sollte es nicht auf Dauer zu einem Abriss kommen, „muss da etwas gemacht werden“, sagt Ingo Lafrentz mit Blick auf den schlechten Zustand des Hauptdenkmals, das durchfeuchtet ist und seine helle Farbe verloren hat.

Stellvertretender Vorsitzender des Heimatverbands Steinburg Herbert Frauen berichtet: „Ich habe in der Freiherr-von-Fritsch-Kaserne meine Wehrpflicht absolvert“. Er befürwortet die Aufklärung ebenfalls: „Der Umgang mit solchen Menschen ergibt sich aus den Erkenntnissen der Zeit. Deswegen finde ich den letzten Satz auf der Tafel treffend“. Dieser Satz lautet: „Beide Gedenksteine sind Zeugnisse des damaligen Zeitgeistes“.

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