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Tourismusboom in Dagebüll: Starkes Wachstum sorgt für Herausforderungen

Dagebüll verzeichnet einen deutlichen Anstieg bei Ferienunterkünften, während Wohnraum für Einheimische knapp ist. Bürgermeister Kurt Hinrichsen äußert sich zur baulichen Entwicklung und den Zukunftsplänen des Küstenorts.

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Mehr Ferienwohnungen als Einwohner? Hauptsache, der Parkplatz reicht noch für mein Krabbenbrötchen. — Rocky, Chefkolumnist
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Der Urlaubsort Dagebüll wandelt sich vom reinen Fährhafen zu einer stark gefragten Tourismusdestination. Während der Ausbau von Ferienunterkünften voranschreitet, bringt das Wachstum Befürchtungen vor Verdrängung und einen Mangel an Wohnraum für Einheimische mit sich. Die Gemeindevertretung äußert sich zur aktuellen Entwicklung des Ortes.
Mit einem Inselparkplatz fing es im Jahr 2002 an, als dieser in Dagebüll eingeweiht wurde, erinnert sich Bürgermeister Kurt Hinrichsen (UWD). Lange galt die Gemeinde als Abstellfläche für Anreisende nach Föhr oder Amrum. „Dagebüll als Parkplatz für die Inseln, das ist ja nun schon länger nicht mehr so“, stellt er heute fest.
Am Deichtorplatz wurde im Sommer das 18 Millionen Euro teure Projekt „The View“ mit 48 Ferienwohnungen fertiggestellt, wie die shz berichtet. Tourismuschef Alexander Stöglehner zählte im Juni an die 380 Appartements für Urlauber bei weniger als 1000 Einwohnern. Dies wirft die Frage auf, ob vor Ort ein zweites St. Peter-Ording entsteht. Bei manchen Menschen im Ort ist diese Sorge angekommen. „Es wäre schöner, wenn Dagebüll wieder so wäre wie früher“, sagte im vergangenen Sommer eine Anwohnerin aus Dagebüll-Kirche. „Es wird kein neuer Wohnraum für Einheimische gebaut, man vertreibt uns.“

Entwicklung und Begrenzungen beim Wohnungsbau

Hinrichsen kennt den Vergleich. Auch wenn er selbst selten in St. Peter-Ording sei, höre er häufiger, dass sich das Nordseebad auf mehrere Ortsteile verteilt, die jeweils ein Stück weit für sich leben. In Dagebüll spiele sich dagegen vieles in der Mitte ab, im Sommer auch die Konzerte. „Dagebüll hat seinen Kern nicht verloren“, sagt Hinrichsen. Dass gerade Ältere das anders sehen, weiß er. Seine Antwort lautet: „Wir hatten damals ja nur eine Fischbude.“ Stillstand gehe nun mal nicht. Charme habe das Dorf trotzdem behalten, nicht zuletzt durch die bunten Badebuden, die seit 1927 am Badedeich stehen und „so ein bisschen das Aushängeschild“ sind.
Mit dem Wohnraum trifft die Anwohnerin einen wunden Punkt. Der Landesentwicklungsplan erlaubt kleinen Gemeinden bis 2036 nur rund 10 Prozent mehr Wohnungen, als sie Ende 2020 hatten, wobei allein ganzjährig bewohnte mitgezählt werden. Wo viele Häuser Feriengäste beherbergen, schrumpft diese Rechengrundlage auf eine Handvoll Bauplätze. Ferienwohnungen dagegen darf der Ort als touristischer Schwerpunkt fast nach Belieben bauen. „Die Landesplanung versucht immer noch, ein bisschen zu bremsen“, sagt Hinrichsen. Er hofft auf neue Kontingente, die vielleicht 2027 oder 2028 kommen. Der Bauturbo des Bundes, der schnellere Genehmigungen erlaubt, hilft kaum, weil alles, was darüber entsteht, später angerechnet wird. Dabei wächst Dagebüll wieder. Einst lebten 1275 Menschen in den drei Dörfern, am Tiefpunkt waren es 898, heute sind es rund 960.

Infrastrukturprojekte und Zukunftspläne

Wer Ruhe sucht, findet sie in den Ortsteilen Fahretoft und Waygaard. Für Hinrichsen ist das ein Vorteil: zum Konzert in die Ortsmitte, danach zurück in die Stille. „Das Gute daran ist, dass man beides hat.“ Die Ironie der Geschichte: Dagebüll, das einmal als Parkplatz galt, hat heute ein Parkplatzproblem. „Wir wissen nicht mehr, wo die Autos hin sollen.“ Ein Verkehrskonzept für den Ort sei aber in Arbeit.
Am Kreisel hat der Bauherr umgeplant. Neben Tankstelle und Einzelhandel ist nun ein Haus für Dienstleister mit vier Wohnungen darüber vorgesehen. Für das Nationalparkhaus erwartet Hinrichsen voraussichtlich im November den Förderbescheid, die Baugenehmigung steht noch aus. Das Dörpshus in Waygaard soll möglichst im April 2027 fertig sein, in Fahretoft ist ein neues Freibad geplant, und der Kauf der Veranstaltungshalle Friedas Schüün ist im Gespräch.
Danach sei mit großen Projekten vermutlich Schluss, sagt Hinrichsen. Einen Wunsch hat er trotzdem, der nicht mit Ferienwohnungen zu tun hat: „Mein Ziel ist 1000.“ Gemeint sind Einwohner. Da fehlt es noch, und über die Wohnungen, in denen sie leben könnten, wird in Kiel entschieden.

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