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Salzgitter AG treibt Transformation zu klimafreundlicher Stahlproduktion voran

Der Stahlkonzern Salzgitter AG baut seine Produktion für 2,7 Milliarden Euro auf klimaschonende Verfahren um. Trotz hoher Gaspreise und knappen Wasserstoffs soll in einem Jahr der erste umweltfreundliche Stahl entstehen.

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Erst Lakritzkugeln gießen und dann teuren Wasserstoff suchen. Das nenne ich mal einen Plan. — Rocky, Chefkolumnist
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Mit dem Milliardenprojekt Salcos will die Salzgitter AG ihre CO2-Emissionen schrittweise auf nahezu null senken. Derzeit verursacht das Stahlwerk in Salzgitter mit acht Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein Prozent des gesamten deutschen Ausstoßes. In einem Jahr soll in einem neuen Elektro-Ofen erstmals umweltfreundlicher Stahl produziert werden.
In das Projekt „Salcos“ (Salzgitter low CO2 steelmaking) fließen insgesamt 2,7 Milliarden Euro aus eigenen Mitteln sowie Fördergeldern von Bund und Land, wie die Tagesschau berichtet. Auf eineinhalb Quadratkilometern entsteht im Werk eine neue Anlage mit einer 140 Meter hohen Direktreduktionsanlage als Herzstück. Dort wird Eisenerz so aufbereitet, dass es anschließend wie Lakritzkugeln aussieht und über Förderbänder gelagert oder direkt in den neuen elektrischen Ofen befördert wird. „Die Grundidee ist, dass wir auf der Basis von neuen Prozessen und Wasserstoff zukünftig CO2-arm oder -frei Stahl herstellen wollen“, erklärt Ingenieur Alexander Redenius, einer der Gründerväter von Salcos. Der Prozess kommt ohne Kohle und Koks aus und setzt zunächst auf Erdgas, was den CO2-Ausstoß um rund die Hälfte senken soll, sowie künftig auf Wasserstoff.

Herausforderungen durch Kosten und Rohstoffe

Obwohl das Verfahren technisch erprobt ist, bringen die Rahmenbedingungen Schwierigkeiten mit sich. Seit Beginn der Planungen hat sich der Erdgaspreis vervielfacht, zudem ist Wasserstoff nach wie vor extrem rar und ein passendes Transportnetz fehlt. Während andere Stahlhersteller ihre Pläne verschoben oder auf Eis gelegt haben, hält die Salzgitter AG an der Transformation fest. „Die Salzgitter AG hat durchaus eine Vorreiterrolle, wenn es darum geht, einen bestehenden großen Standort in Richtung Klimaneutralität zu transformieren“, erklärt Forscher am Kiel Institut für Weltwirtschaft Finn Ole Semrau. Er hält den Schritt für alternativlos: „Die strategische Entscheidung, in Zukunft auf klimafreundlichen Stahl zu setzen, ist aus meiner Sicht alternativlos. Unter anderem die Europäische Union hat sich ja auf den Weg gemacht, bis 2050 klimaneutral zu werden, und um das zu erreichen, kann Stahl in Zukunft nicht mehr auf Basis fossiler Energieträger produziert werden.“

Schrittweise Umstellung und Marktchancen

Künftig sollen rund zwei Millionen Tonnen Stahl umweltfreundlich mit dem neuen Ofen hergestellt werden, während einer der alten Hochöfen stillgelegt wird. Für die vollständige Umstellung des Werks lässt sich der Konzern jedoch mehr Zeit als geplant; Entscheidungen über weitere Investitionen und die Stilllegung der zwei verbleibenden Hochöfen stehen frühestens 2028 an. Vorstandsvorsitzender der Salzgitter AG Gunnar Gröbler ist dennoch vom Marktpotenzial überzeugt: „Richtig ist, dass der ''grüne'' Stahl zunächst erstmal teurer sein wird als das, was wir als den grauen, den klassischen Stahl bezeichnen“, räumt Gröbler ein. „Aber wir haben Kunden, die ein Interesse daran haben, diesen CO2-reduzierten Stahl zu kaufen, weil sie damit ihre eigenen CO2-Ziele viel besser und günstiger erreichen können als mit anderen Mitteln. Insofern gibt es für diesen Stahl tatsächlich einen Markt.“ Zu den potenziellen Abnehmern zählen Unternehmen aus der Automobilbranche, der Baubranche und Hersteller hochwertiger Haushaltsgeräte.

Einbindung der Beschäftigten und BUND-Stellungnahme

Der Wandel betrifft die rund 6.000 Beschäftigten von Salzgitter Flachstahl direkt, wobei Betriebsrat und Gewerkschaft in die Prozesse eingebunden sind. Einzelne Mitarbeiter wechseln im Zuge der Umstellung von den Hochöfen in die neue Produktionswelt. Auch der Naturschutzbund BUND befürwortet die Transformation. „Der BUND sieht den Umbau der Stahlproduktion in Deutschland hin zu klimaschonenden Verfahren mit grünem Wasserstoff als einen sehr wichtigen Baustein, um die Klimaziele zu erreichen“, äußert niedersächsische Vorsitzende Susanne Gerstner und fordert zugleich verlässliche politische Rahmenbedingungen.

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