Expedition in der Deutschen Bucht: Wracks und Weltkriegsmunition vor Helgoland im Visier
Das Forschungsschiff Heincke untersucht versenkte Kriegsschiffe und Altmunition in den Gewässern vor Helgoland. Die Wissenschaftler prüfen den Zustand der Wracks und mögliche Gefahren für die Umwelt.
Das Forschungsschiff Heincke des Alfred-Wegener-Instituts untersucht seit dem 17. Oktober Kriegswracks und versenkte Munition aus beiden Weltkriegen in der Deutschen Bucht. Die bis zum 31. Oktober dauernde Expedition konzentriert sich auf Gebiete westlich von Helgoland sowie auf im Meeresboden verklappte Munition. Ziel der Arbeiten ist es, den Zustand der Altlasten zu erfassen und Umweltrisiken für Fische sowie das Meeresökosystem zu analysieren. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen zwei Schiffe: der kleine Kreuzer Mainz, der im August 1914 westlich von Helgoland sank, und der Panzerkreuzer Blücher. Geleitet wird die Fahrt von Meeresbiologe Matthias Brenner, der am Institut ein Forschungsvorhaben zu Munitionsaltlasten im Meer verantwortet. Wie nord24 berichtet, wächst nach Brenners Worten nach mehr als hundert Jahren auf dem Meeresgrund die Gefahr, dass die Wracks in sich zusammenbrechen. Dann könnten größere Mengen Sprengstoff auf einmal frei werden, welche als giftig und krebserregend gelten.
Untersuchungen an Wracks und Fischen
Mit Unterwasserrobotern kartiert das Team die Wracks und dokumentiert ihren Zustand. Dazu kommen Wasser- und Sedimentproben sowie Fänge von Fischen in der Umgebung, die auf Sprengstoffe und auf Krankheiten untersucht werden. Eine der Fragen lautet, ob Fische in der Nähe der Wracks häufiger Tumoren haben als Fische aus unbelasteten Gebieten. Das Forschungsinstitut Senckenberg am Meer nimmt zusätzlich die wirbellosen Tiere im Sediment in den Blick.
Messungen im Meeresboden und Vorbereitung von Bergungen
Neben den Wracks fährt die Heincke sieben Gebiete in der Deutschen Bucht an, in denen nach den Weltkriegen Munition verklappt wurde. Dort wird mit magnetischen Messungen erfasst, was im Meeresboden liegt. Brenner sagt, in dieser Form sei das bisher noch nie gemacht worden. Beteiligt sind neben dem Alfred-Wegener-Institut das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, die Bundespolizei für einen Tag und ein auf Kampfmittelbergung spezialisiertes Unternehmen. Ergebnisse der Probenanalysen liegen noch nicht vor.Für Helgoland hat die Fahrt einen doppelten Bezug. Die Wracks liegen in den Gewässern unmittelbar vor der Insel, und die Untersuchung berührt die Frage, wie stark die Fische aus diesem Seegebiet belastet sind. Die Messdaten sollen außerdem eine spätere Probebergung vorbereiten, bei der Munition aus dem Boden gespült werden soll. Der Bund hat dafür ein Sofortprogramm zur Räumung von Munition in Nord- und Ostsee aufgelegt und eine Bergungsplattform in Auftrag gegeben. In der Ostsee laufen erste Pilotprojekte, für die Nordsee werden die Konzepte noch entwickelt. Das teilte das Alfred-Wegener-Institut mit.
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