Zukunft der Hochseeinsel: Helgoland plant erneute Abstimmung über Zusammenführung mit der Düne
Die Helgoländer sollen im kommenden Frühjahr über eine großflächige Sandaufspülung abstimmen. Das Vorhaben soll marode Küstenschutzanlagen ersetzen, stößt jedoch auf Bedenken von Naturschützern.
Sanierungsbedarf an den Hafenanlagen
Der Hauptgrund für den Vorstoß liegt an den Kaikanten. Nach Darstellung von Bürgermeister Thorsten Pollmann sind die Hafenanlagen der Insel in acht bis zehn Jahren nicht mehr nutzbar. Häfen und Küstenschutzwerke gelten als marode, ihre Sanierung würde mehrere hundert Millionen Euro kosten. Eine Aufspülung zwischen Hauptinsel und Düne würde einen Teil dieser Ausgaben überflüssig machen, weil etwa der Dünenhafen dann nicht mehr eigenständig saniert werden müsste. Die Aufspülung selbst soll bis zu dreihundert Millionen Euro kosten und vor allem durch den Verkauf von Land finanziert werden. Investoren könnten rund dreihunderttausend Quadratmeter erwerben, wie nord24 berichtet. Zudem wird geprüft, ob sich ein Strömungskraftwerk in das Bauwerk integrieren lässt.
Sorge um den Fortbestand der Inselgemeinschaft
Befürworter argumentieren weniger mit dem Tourismus als mit dem Fortbestand der Inselgemeinschaft. Hotelier Detlev Rickmers, fünfundsechzig Jahre alt, warnt, die Helgoländer stürben aus. Auf der Insel leben demnach nur noch knapp zweihundert Menschen unter dreißig Jahren. Es fehle an Wohnraum und an einem tragfähigen Angebot bei Kindergarten, Schule und Infrastruktur. Die Hauptinsel misst nur etwa einen Quadratkilometer, Platz für wirtschaftliche Entwicklung gibt es dort praktisch nicht.
Widerspruch vom Naturschutz und behördliche Auflagen
Deutlichen Widerspruch gibt es vom Naturschutz. Marina Quoirin-Nebel vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland in Schleswig-Holstein verweist darauf, dass das Gebiet zwischen den beiden Inseln als europäisches Schutzgebiet ausgewiesen ist. Sie befürchtet Schäden für Algen, Krebse und Fische, Beeinträchtigungen für Bodenbrüter und Konflikte mit den Robben, die die Düne als Liegeplatz nutzen. Die Insel würde aus ihrer Sicht genau das verlieren, was sie ausmacht. Auch das Umweltministerium des Landes macht Auflagen: Vor einer Umsetzung müssten die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung, die Verträglichkeit mit dem europäischen Schutzgebiet und das Artenschutzrecht geklärt werden.
Neu ist die Idee nicht. Bereits im Jahr zweitausendelf stimmten die Helgoländer über eine Aufspülung ab und lehnten sie ab. Wie die nächste Abstimmung genau ausgestaltet wird und welche Planungsunterlagen bis dahin vorliegen, ist bislang offen. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa.