Bundesweit erste Meerwasser-Wärmepumpe in Neustadt in Betrieb genommen
In Neustadt in Holstein wurde die erste Meerwasser-Wärmepumpe Deutschlands offiziell vorgestellt. Das System nutzt die Wärme der Ostsee zur Versorgung von mehr als 200 Haushalten.
Die Meerwasser-Wärmepumpe liefert eine Leistung von 700 Kilowatt. Über einen Wärmetauscher wird die Wärme aus dem angesaugten Meerwasser an den eigentlichen Wärmepumpenkreislauf übertragen. Da die Ostsee im Winter meist wärmer ist als die Luft, funktioniert das System nach Angaben der Stadtwerke Neustadt oft effizienter als eine Luftwärmepumpe. „Der Vorteil: Meerwasser kühlt viel langsamer ab als die Luft. Durch die Klimaerwärmung haben wir natürlich auch erhöhte Temperaturen im Winter“, erklärt Techniker Thomas Anthoni von den Stadtwerken.
Fünf Jahre Planung wegen Umweltanforderungen
Laut den Stadtwerken hat die Planung fünf Jahre gedauert. Grund dafür sei die Bürokratie rund um den Schutz der Meerestiere gewesen. „Man musste durch viel Monitoring nachweisen, dass die Anlage das Ökosystem nicht schädigt. Das war unsere große Herausforderung, den Leuten das in mehreren Sitzungen, Besprechungen, Anträgen und Nachweisen klarzumachen“, so Anthoni.Anlage als bundesweites Vorbild
Seit Anfang des Jahres läuft die Anlage bereits, am Freitag wurde sie offiziell präsentiert. Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne) meint, dass das Projekt als Vorbild dienen könne: „Die Kommunen haben ja Wärmepläne gemacht und die fragen sich natürlich auch, wie kann ich meine Kommune klimaneutral bekommen und die werden nach Neustadt schauen und werden sagen: Was in Neustadt funktioniert, funktioniert bei mir zu Hause vielleicht auch“, hofft der Minister.Auch in Flensburg soll im kommenden Jahr eine Anlage an den Start gehen, die mit 60 Megawatt rund 85-mal mehr Heizleistung liefern soll als das System in Neustadt. Weltweites Vorbild ist dagegen die Anlage im dänischen Esbjerg mit einer Leistung von 70 Megawatt, mit der laut Betreiber 25.000 Haushalte mit Wärme versorgt werden können.