Meldung ✓

VW-Aufsichtsrat verabschiedet Sparplan: Zukunft von vier Standorten bleibt bis 2027 ungewiss

Der Aufsichtsrat von Volkswagen hat sich auf ein Sanierungskonzept geeinigt, lässt konkrete Werksentscheidungen aber vorerst offen. Kommunalpolitiker reagieren besorgt, während Branchenexperten die Maßnahmen bewerten.

KI-generierter Inhalt · wie wir arbeiten →

Pläne bis 2027 vertagen? Das nennt man wohl gründliche Aufschieberitis auf Managerebene. — Rocky, Chefkolumnist
Illustration zu: VW-Aufsichtsrat verabschiedet Sparplan: Zukunft von vier Standorten bleibt bis 2027 ungewiss
Illustration: KI-generiert
Der Aufsichtsrat des Volkswagen-Konzerns hat sich auf einen Sparplan geeinigt, lässt die Zukunft der Standorte Emden, Hannover, Neckarsulm und Zwickau jedoch bis Ende Juni 2027 offen. Wie die Tagesschau berichtet, hieß es seitens des Konzerns: "Für diese Werke werden parallel und ergänzend alternative Verwendungsmöglichkeiten geprüft." Schließungen sind damit weder beschlossen noch ausgeschlossen, während Kommunalpolitiker und Branchenexperten die Beschlüsse unterschiedlich aufnehmen.

Kritik aus den betroffenen Kommunen

Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des Forschungsinstituts Center Automotive Research (CAR), sprach von einem "Zukunftsplan light" und betonte, die Entscheidung sei lediglich aufgeschoben worden. Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) zeigte sich schockiert: "Die Unsicherheit wird fortgesetzt", sagte der Politiker. Es gebe keine klaren Perspektiven. Eine Folgenutzung hänge von den Bemühungen des Vorstands ab, "der an diese Standorte eigentlich nicht mehr glaubt". Onay hob hervor: "Das ist denkbar schlecht als Voraussetzung." Er forderte Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) auf, sich für alternative Möglichkeiten einzusetzen – "gerade mit Blick auf Hannover, auf die Nutzfahrzeuge". Onay ergänzte, dass es sich um einen Bereich handle, der "nicht in Konkurrenz zu China steht, der leistungsfähig ist, der wahnsinnig viel Expertise hier vor Ort hat". Weiter sagte er: "Es ist absolut unerklärlich, dass man diesen Standort nicht weiter stärken möchte." Die IHK Hannover teilte mit, dass ein Auslaufen der Produktion einen "erheblichen Tiefschlag" für die Industrieregion bedeuten würde.
Emdens Oberbürgermeister Tim Kruithoff (parteilos) betonte, dass die Lage für die Beschäftigten unsicher bleibe, hob jedoch positiv hervor, dass keine Werksschließung beschlossen wurde. "Die konkreten Perspektiven für die Standorte müssen jetzt erarbeitet und verhandelt werden", sagte er. Emden sei ein Automobilstandort: "Wir bauen Autos - und wir wollen auch in Zukunft Autos bauen." Er sei nicht an "irgendeiner Ersatzbeschäftigung" interessiert und akzeptiere keine "Placebos". Ende August hatte er VW-Vorstandsvorsitzendem Oliver Blume eine Resolution überreicht.

Einschätzungen der Branchenexperten

Stefan Reindl vom Institut für Automobilwirtschaft an der Hochschule Nürtingen-Geislingen hält Werksschließungen für unvermeidbar: "Ich glaube, dass man tatsächlich nicht um diese Schließung der vier Werke herumkommen wird." Demgegenüber bezweifelt Automobilexperte Stefan Bratzel, dass die Sanierung ohne Schließungen gelingt, hält das Aus für vier Werke jedoch für übertrieben: "Mit entsprechenden Effizienzverbesserungen könnten auch die Reduzierungen von zwei Werken in Deutschland genügen." Aus seiner Sicht müsse "für das gleiche Geld mehr gearbeitet werden".
Fondsmanager Moritz Kronenberger von Union Investment bezeichnete den Sanierungsplan als unausweichlich: "Unterausgelastete Werke würden Volkswagen in den kommenden Jahren in eine finanziell verheerende Situation führen, die die Marge ins Negative drehen könnte." Er sprach von einem guten Zeichen für den Konzern und den Kapitalmarkt, auch wenn dies mit "herben Einschnitten" verbunden sei.

← alle Meldungen aus Norden

Weitere Meldungen aus Norden

Norden ✓

Tödliche Schüsse auf St. Pauli: Ermittler vermuten mehr Beteiligte

Nach den Schüssen mit zwei Toten im Hamburger Stadtteil St. Pauli gerät eine Gruppe vermummter Männer in den Fokus der Ermittler. Neben der Mordkommission befasst sich nun auch das Landeskriminalamt für Organisierte Kriminalität mit dem Fall.

05.09., 04:12 Uhr