Streit um Freiflächen-Solarparks: Widerstand und Bedenken in Schleswig-Holstein
In Schleswig-Holstein treffen geplante Solarparks zunehmend auf Widerstand von Anwohnern. Während Gemeinden auf Steuereinnahmen und Klimaschutz setzen, befürchten Bürgerinitiativen den Verlust von Erholungsflächen und Lärm.
Die Beschlüsse der Bundesregierung sowie lokaler Protest von Bürgerinnen und Bürgern erschweren den Ausbau von Solaranlagen in Schleswig-Holstein. In verschiedenen Gemeinden formiert sich Widerstand gegen geplante Großprojekte auf Freiflächen und die Errichtung von Batteriespeichern. Derweil warnt die Politik vor Fehlanreizen durch Neuregelungen auf Bundesebene.
In Dunkelsdorf, einem Ortsteil der Gemeinde Ahrensbök im Kreis Ostholstein, sorgen Pläne für Photovoltaik-Anlagen auf rund 100 Hektar Fläche für Unmut. Wie die Tagesschau berichtet, befürchten viele Anwohner den Verlust des idyllischen Landschaftsbildes. Tom Pöthig von der Bürgerinitiative Dunkelsdorf betont, dass eine 60 Hektar große Fläche westlich des Dorfes akzeptiert werde, nicht jedoch weitere 40 Hektar mit Blickrichtung zur Ostsee. In der Gemeindevertretung Ahrensbök spricht sich eine Mehrheit aus CDU, FDP und Freier Wählergemeinschaft für das Vorhaben aus, während die SPD dagegen ist. CDU-Fraktionschef Klaus-Dieter Gruber verweist auf Klimaschutzgründe und geschätzte jährliche Gewerbesteuereinnahmen von 2,5 bis 3 Millionen Euro für die 8.500 Einwohner zählende Gemeinde. „Wir müssen vernünftige Rahmenbedingungen schaffen, die nicht überall auf Freude treffen“, erklärt Gruber.
Verschiebung hin zu Freiflächenanlagen
Nach Angaben des Landesverbands Erneuerbare Energien (LEE SH) lag der Anteil von Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen Ende 2024 bei 40 Prozent und stieg inzwischen auf 50 Prozent an. Neben Ahrensbök kommt es auch in Malente, Hohenlockstedt und Mittelangeln zu Konflikten. Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Bündnis 90/Grüne) sieht den Trend zu Freiflächen besorgt und kritisiert die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes der Bundesregierung. Durch den geplanten Wegfall der garantierten Einspeisevergütung für kleinere Dachanlagen würden Hausbesitzer abgehalten. „Berlin schmeißt uns gerade eher Steine zwischen die Beine mit den verschiedenen Gesetzen. Auch gerade übrigens mit einem Gesetz, das sich gegen die Photovoltaik auf den Dächern richtet und ganz klar sagt, man möchte Photovoltaik auf die freie Fläche lenken. Das ist ein totaler Irrweg“, sagt Goldschmidt. Sein Ziel bleibt ein Ausbau der Solarstromproduktion in Schleswig-Holstein von derzeit etwas über fünf auf zehn Gigawatt im Jahr 2030.
Bürgerbegehren und alternative Standorte
Im Ortsteil Schwochel regt sich ebenfalls Protest, da dort neben Photovoltaikanlagen auch Batteriespeicher entstehen sollen. Die Anwohner Nina Wagner und Alexander Wagner befürchten eine Lärmbelästigung durch die Speicheranlagen. Die örtliche Bürgerinitiative hat im gesamten Gemeindegebiet Ahrensbök rund 1.600 Unterschriften für ein Bürgerbegehren gesammelt. Sollte die Gemeindevertretung ihren Beschluss nicht zurücknehmen, kommt es zu einem bindenden Bürgerentscheid.
Der Kieler Agrarwissenschaftler Prof. Friedhelm Taube hält die Nutzung landwirtschaftlicher Flächen für Solarstrom grundsätzlich für sinnvoll, plädiert jedoch für einen landesweiten Ausbauplan. Um fruchtbare Böden wie in Ostholstein zu schonen, schlägt er vor, Solarparks bevorzugt in der Eider-Treene-Sorge-Niederung zu errichten. Dies biete den dortigen Landwirten Alternativen zur Milchwirtschaft und ermögliche die Wiedervernässung trockener Moore zum Zweck des Klimaschutzes.