Marine-Chef fordert Konzentration auf Kernaufgaben und schnellere Beschaffung
Der scheidende Vizeadmiral Jan Christian Kaack mahnt angesichts der Bedrohung durch Russland eine Neuausrichtung der deutschen Flotte an. Zudem fordert er ein höheres Tempo bei der Beschaffung neuer Schiffe.
Der scheidende deutsche Marine-Chef hat auf der Schiffbaumesse SMM in Hamburg eine Fokussierung der Streitkraft auf ihren Kernauftrag gefordert und vor neuen militärischen Fähigkeiten Russlands gewarnt. Er sprach sich dafür aus, Auslandseinsätze zeitlich zu begrenzen und Beschaffungsprozesse bei der Bundeswehr deutlich zu beschleunigen. Ende September geht der Vizeadmiral in den Ruhestand. In seiner Abschiedsrede in Hamburg betonte Vizeadmiral Jan Christian Kaack, dass Russland durch den Krieg in der Ukraine täglich dazu lerne, wie die Tagesschau berichtet. Um die Kampfkraft gegen solche Bedrohungen zu stärken, müsse die Marine ihre knappen Ressourcen bündeln. Auslandseinsätze in weiter entfernten Regionen sollte es nach seinen Worten nur noch unter klar umrissenen Grenzen sowie zeitlich begrenzt geben. Konkret riet der Marine-Chef dazu, die jahrzehntelangen Missionen mit Kriegsschiffen etwa vor dem Libanon zu beenden. Kaack sagte, heute brauche man jede Einheit sowie jeden Matrosen und Soldaten für die Kernaufgabe.
Lerneffekte und schnellere Beschaffung
Bezüglich unbemannter Systeme und moderner Seekämpfe könne die Marine aus den Erfahrungen der Ukraine im Schwarzen Meer lernen. Allerdings lerne auch der Gegner: Erst kürzlich hätten 13.000 Soldatinnen und Soldaten sowie 60 Schiffe aus Russland und China gemeinsam im Pazifik Verfahren trainiert, die aus dem Krieg gegen die Ukraine stammen. Bei der Beschaffung von neuen Schiffen und anderen Gerätschaften müsse die Bundeswehr noch schneller werden, findet Inspekteur der Marine Kaack. "Wenn der Gegner praktisch am Eingang des eigenen Hafens steht, bleibt keine Zeit, eine neue Flotte aufzubauen", betonte Kaack.
Schutz von Stützpunkten und Führungswechsel
Zudem zeigte sich Kaack offen für die Idee, Marine-Stützpunkte und Militärhäfen durch private Sicherheitsfirmen schützen zu lassen. Spionage und Sabotageversuche seien ein ernstzunehmendes Thema. Kaack: "Alles hat angefangen damit, dass russische Fischer in den Hafen von Eckernförde gefahren sind, dort liegen unsere strategischen U-Boote. Das ist kein gutes Gefühl." Unabhängig davon habe man inzwischen auf Marineschiffen und in den Häfen eine Drohnenabwehr aufgebaut. Kaack, der seit 2022 an der Spitze der Marine steht, geht Ende September in den Ruhestand. Nachfolger soll Konteradmiral Wilhelm Tobias Abry werden.
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