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Hoher Alkoholkonsum auf dem Land belastet Gesundheitssystem und Beratungsstellen

In Schleswig-Holstein steigen die Behandlungs- und Ausfallkosten durch Alkoholkonsum deutlich an. Besonders im ländlichen Raum beginnen Jugendliche früh zu trinken, während Versorgungsangebote knapp sind.

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Während der Alkoholkonsum in Schleswig-Holstein insgesamt sinkt, bleibt das Trinken im ländlichen Raum laut der Landesstelle für Suchtfragen auf einem hohen Niveau. Jugendliche steigen im Dorfleben häufig früher ein und trinken mehr, was zu steigenden Krankenhauskosten und Fehltagen führt. Auch Beratungsstellen und Betroffene berichten von den besonderen Gefahren der ländlichen Prägung und fehlenden Versorgungsstrukturen.
In den ländlichen Kreisen Nordfriesland und Dithmarschen werden nach Daten des Gesundheitsministeriums mehr als doppelt so viele Menschen im Krankenhaus wegen Alkoholvergiftungen behandelt wie durchschnittlich in allen anderen Kreisen. Auf Dorffesten gehört der Alkoholkonsum für viele zur Freizeitgestaltung. „Das ist das Dorfklischee: Alkohol und Feiern, das gehört einfach zusammen“, erklärt ein schätzungsweise 20-Jähriger. Eine junge Frau prostet ihrer Begleitung zu und findet: „Nur Cola-Korn bringt uns nach vorn“. Für viele enden die Feiern im Vollrausch oder im Krankenhaus. Für Bastian Grütt aus Heide waren sie der Beginn einer Abhängigkeit. Seinen ersten Kontakt mit Alkohol hatte er mit acht Jahren auf dem Schützenfest: „Die Erwachsenen haben halt gesagt: Mensch, probier halt mal. Und dann hat man das halt gemacht. Geschmeckt hat''s mir nicht.“
Wie die Tagesschau berichtet, stiegen allein bei den AOK-Versicherten in Schleswig-Holstein die jährlichen Kosten für Klinikbehandlungen wegen Alkoholkonsums von 8,6 Millionen Euro im Jahr 2020 auf über 11,14 Millionen Euro im Jahr 2025. Die alkoholbedingten Fehltage kletterten im selben Zeitraum von rund 34.000 auf über 48.000 Tage an. Deutschlandweit kosteten die Folgen des Alkoholkonsums im Jahr 2020 laut einer Studie des Wissenschaftlichen Kuratoriums der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) 57,04 Milliarden Euro. Der Sprecher dieses Gremiums schätzt, dass die Kosten mittlerweile 15 bis 20 Prozent höher liegen. Grund dafür seien teurere, komplexere und länger andauernde Behandlungen sowie eine Vielzahl genutzter Behandlungsmöglichkeiten.

Prägung im Dorfleben und früher Einstieg

Alkohol gehöre zum Dorfleben untrennbar dazu, sagt Knut Thomsen von der Suchtberatungsstelle der Diakonie Dithmarschen. Getrunken werde nach dem Fußballtraining, der Feuerwehrübung, nach Gemeindevertretungen, in der Dorfkneipe und auf Festen. Weil alle Generationen zusammenkommen, schauen Kinder den Eltern beim Trinken zu und imitieren diese. Laut Landesstelle für Suchtfragen trinkt jeder achte Mensch in Schleswig-Holstein bedenklich viel, wobei ein Sprecher eine deutlich höhere Dunkelziffer vermutet. Als Jugendlicher entdeckte auch Bastian Grütt den Alkohol wieder – über Bier mit Freunden und Whiskey-Cola in der Kneipe bis hin zu „zur Not alles, was ich kriegen kann“ in der heimischen Küche. Heute beobachtet er im Sportverein seines Sohnes den Einstieg bereits in der C-Jugend mit 13 Jahren. Tendenziell trinken Jugendliche auf dem Land immer früher, so Thomsen: „Das ist dann nicht der erste Kontakt mit Alkohol, sondern der erste Vollrausch.“

Fehlende Anonymität und mangelnde Ressourcen

Der Weg aus der Abhängigkeit gestaltet sich im Dorf besonders schwer, da die Anonymität fehlt. Als Bastian Grütt den Entzug machte, wusste das jeder im Ort. Er erklärt: „Bei mir war klar, ohne Hilfe komme ich da nicht mehr raus. Und dann war es mir auch egal, ob Hinz und Kunz davon wissen. Ich musste ja mir helfen.“ Zudem fehlen auf dem Land Anlaufstellen. In Dithmarschen ist das Diakonische Werk mit Zweigstellen in Brunsbüttel, Meldorf und Heide die einzige Suchtberatungsstelle. Die Kreise und kreisfreien Städte sind für Suchtprävention und Suchthilfe zuständig und werden vom Land jährlich mit vier Millionen Euro unterstützt. In Dithmarschen kommen davon etwa 99.000 Euro an, die laut Kreisverwaltung an das Diakonische Werk sowie an die Brücke Dithmarschen fließen.
Obwohl der Kreis eigene Mittel beisteuert, wünscht sich Suchtberater Thomsen mehr Personal: „Wir können unserer Verantwortung nicht immer gerecht werden.“ Längere Wartezeiten führten häufig dazu, dass Betroffene aufgeben. Heute engagiert sich Bastian Grütt selbst in der Suchthilfe und leitet seine frühere Selbsthilfegruppe. Für ihn bleibt die chronische Alkoholsucht eine lebenslange Aufgabe: „Ich werde nicht mehr gesund“, erklärt er, trocken bleiben könne er aber. Für Hilfesuchende stehen unter anderem die bundesweite Sucht & Drogen Hotline (01806 313031), die Initiative „Kenn dein Limit“ der BZgA sowie Beratungsangebote des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zur Verfügung.

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