Aus für zwei Drogenhilfe-Einrichtungen in Hamburg-Altona
Die Hamburger Sozialbehörde schließt noch in diesem Jahr zwei Standorte der Suchthilfe im Bezirk Altona. Bezirkspolitiker und Betroffene reagieren mit deutlicher Kritik auf das überraschende Aus.
Wie die Tagesschau berichtet, gab die Sozialbehörde die Schließung der „Palette“ am Mittwoch überraschend im Sozialausschuss der Bezirksversammlung Altona bekannt. Weder die Bezirkspolitik noch die Mitarbeitenden der Einrichtung wussten vorab Bescheid. Die seit sechs Jahren bestehende Anlaufstelle für Drogenabhängige und Obdachlose in Altona-Nord wird täglich von 40 bis 70 Menschen genutzt, vor allem von Crack-Konsumierenden. Die Behörde begründete die Schließung damit, dass der Treffpunkt an der Stresemannstraße nie als Dauerlösung gedacht war, sondern nur als Übergang, bis die neue Tagesaufenthaltsstätte nebenan öffnet. Diese besteht seit März, jedoch darf dort nicht konsumiert werden. Insbesondere Crack konsumierende Menschen sollen laut Sozialbehörde auf die spezialisierten Angebote „Stay Alive“ und „Drob Inn“ ausweichen.
Kritik aus der Bezirkspolitik
Die Altonaer Bezirkspolitik kritisiert das Vorhaben parteiübergreifend und verweist darauf, dass die genannten Alternativen bereits ausgelastet seien. Die „Palette“ leiste unverzichtbare Arbeit und habe den sozialen Frieden im Viertel wiederhergestellt, sagte Nadine Neumann von den Grünen in Altona. Die Linke kritisierte, dass die Bezirkspolitik erst so spät informiert wurde. Der Sozialausschuss fordert einstimmig, dass die „Palette“ bleiben muss.
Wohnstätte „Malteser Nordlicht“ vor dem Aus
Auch eine weitere Drogenhilfe in Hamburg macht demnächst dicht: Die mehr als 30 Jahre alte Wohnstätte „Malteser Nordlicht“ in Bahrenfeld für obdachlose, drogenabhängige Männer muss schließen. Zuletzt waren dort 26 Männer in Zweibettzimmern untergekommen. Die Sozialbehörde stellt die Förderung für die Containerunterkunft ein, in die zuletzt jährlich 1,1 Millionen Euro geflossen waren. Eine Renovierung will die Stadt nicht mehr tragen, weshalb die Einrichtung bis Ende Oktober abgewickelt wird.
Sozialbehörde weist Vorwurf eines Sparkurses zurück
Von einem allgemeinen Sparkurs in der Drogenhilfe will die Sozialbehörde jedoch nicht sprechen. Im vergangenen Haushalt habe man rund 48 Millionen Euro in die Suchthilfe investiert und plane für den kommenden Doppelhaushalt vorbehaltlich des Bürgerschaftsbeschlusses rund 52 Millionen Euro ein. „Insofern nehmen wir das Thema Suchthilfe sehr, sehr ernst.“, sagte Behördensprecher Wolfgang Arnhold.