Haushaltslöcher zwingen Bremen und Bremerhaven zu Sparmaßnahmen
Steigende Ausgaben und hohe Rekorddefizite belasten die Haushalte von Bremen und Bremerhaven schwer. Um Millionen einzusparen, streichen beide Städte Angebote in Kultur, Bildung, Sport und Infrastruktur.
Rekorddefizite und steigende Ausgaben zwingen Städte und Gemeinden zu drastischen Einsparungen. In Bremen und Bremerhaven führen die klammen Kassen zu spürbaren Kürzungen bei Kultur-, Sport-, Bildungs- und Freizeitangeboten. Wie die Tagesschau meldet, klaffen in den Haushaltsplänen beider Kommunen erhebliche Millionenlücken.
Den deutschen Kommunen geht das Geld aus. Städte, Gemeinden und Landkreise in Flächenländern verzeichneten allein 2025 ein Defizit von 31,9 Milliarden Euro – so viel wie nie seit der Wiedervereinigung. Haupttreiber sind Sozial- und Personalausgaben, die schneller wachsen als die Einnahmen. In Niedersachsen, wo Mitte September Kommunalwahlen anstehen, haben viele Räte und Kreistage nur noch geringe Spielräume, um über ihre Pflichtaufgaben wie Sozialhilfe, Feuerwehr und Kitas hinaus freiwillige Kultur-, Sport- oder Freizeitangebote finanziell zu fördern.
Die finanzielle Situation der niedersächsischen Kommunen ist auch ein Spiegelbild der Situation in Bremen und Bremerhaven. Für 2026 veranschlagt die Stadtgemeinde Bremen rund 4,17 Milliarden Euro bereinigte Einnahmen – also ohne Kredite, Rücklagenentnahmen, Überschüsse aus Vorjahren und haushaltstechnische Verrechnungen. Dem stehen 4,3 Milliarden Euro an Ausgaben gegenüber. Das Finanzierungsdefizit liegt bei 134,4 Millionen Euro. In Bremerhaven beträgt die Lücke im Haushalt allein in diesem Jahr laut Stadt 49 Millionen Euro. Stadtkämmerer Torsten Neuhoff (CDU) brachte die Situation dort in diesem Sommer auf die Formel: "Alles, was Geld kostet, können wir uns nicht mehr leisten."
Kürzungen bei Bädern, Schulen und Kultur
Die finanziellen Nöte haben inzwischen auch Folgen für Bürgerinnen und Bürger. Seit 2025 zahlen Kinder in Bremer Freibädern zwei statt einen Euro Eintritt. Damit verdoppelt sich der zuvor vergleichsweise günstige Preis, der erst 2020 bewusst als Teilhabe-Angebot eingeführt worden war. "Leider können wir den Eintritt von einem Euro nicht mehr halten", begründete Bädersprecherin Susanne Klose den Schritt mit Defizit und fehlenden Mitteln. Zum Jahreswechsel stiegen auch die Hallenbad-Preise erneut. In Bremerhaven schließen das Bad 1 und Bad 2 seit Februar früher und öffnen am Wochenende später, alle Tarife wurden erhöht – die Bädergesellschaft begründet das ausdrücklich mit den "Sparvorgaben aufgrund der Haushaltslage".
Bremerhaven streicht aus Kostengründen ab kommendem Jahr zudem die jährliche Grundreinigung seiner Schulen. Künftig wird nur noch die laufende Unterhaltsreinigung erledigt. Der Verzicht ist Teil des Sparpakets, mit dem der Magistrat den vom Bremer Senat nur mit Auflagen genehmigten Doppelhaushalt einhalten will. Auch die Bremerhavener Kulturlandschaft wird wegen der klammen Kassenlage karger. Ab 2027 ist beispielsweise die Sommerbühne des Stadttheaters Bremerhaven gestrichen. Das bislang kostenlose Open-Air-Angebot fällt dem Sparkurs zum Opfer. Auch beim Stadttheater werden unter anderem sechs Stellen nicht nachbesetzt, um allein in der kommenden Spielzeit 300.000 Euro einzusparen.
Einschränkungen bei Vereinen, Bildung und Infrastruktur
Auch in der Stadt Bremen wird gespart. Zuwendungsempfänger, die für bestimmte Zwecke Förderungen bekommen, erhalten in diesem Jahr keinen Inflationsausgleich mehr. Davon betroffen sind beispielsweise Beratungsstellen und Kulturvereine. Höhere Kosten etwa für Löhne, Miete, Energie oder Material müssen sie nun anders ausgleichen. Von dieser Regel ausgenommen sind "Kindertagesbetreuung und Wissenschaft". Auch "Härtefälle wie Angebotsschließungen oder Trägerinsolvenzen" will die Koalition auf ihrem Sparkurs vermeiden. Die Freikarte für Kinder und Jugendliche gilt seit 2026 nicht mehr als Bezahlmittel auf Volksfesten wie Osterwiese und Freimarkt.
Mehr Klima- und Umweltwissen bereits in Kitas zu vermitteln, war eine Empfehlung der Bremer Klima-Enquete-Kommission. Angesichts der angespannten Haushaltslage stehen solche zusätzlichen Bildungsmaßnahmen über das bestehende Angebot hinaus seit Langem unter Finanzierungsvorbehalt, teilt das Kinder- und Bildungsressort mit. Zudem hat Bremen die Sanierung des Domshofs mittlerweile aus Kostengründen verschoben. Dadurch sollen dem Senat zufolge 2026 um 650.000 Euro und 2027 um 5,22 Millionen Euro eingespart werden.