Ausbildung im Baugewerbe: Flensburgs erste Maurerin setzt sich durch
Jessica Wilhelmsen hat mit 29 Jahren ihre Ausbildung zur Maurerin erfolgreich abgeschlossen. Trotz anfänglicher Vorurteile und vieler Absagen setzte sich die Flensburgerin durch.
Die 29-jährige gebürtige Flensburgerin saß vor vier Jahren noch im Büro eines Autohauses, wo sie einige Jahre zuvor ihre Ausbildung zur Automobilkauffrau absolviert hatte. Da ihr der Arbeitsalltag zu eintönig war, fasste sie nach Videos einer bayerischen Maurermeisterin in den sozialen Medien den Entschluss zur beruflichen Veränderung. "Ich wollte vor meinem 30. Geburtstag mit der Ausbildung fertig sein", verrät Wilhelmsen auf einer Baustelle im Osten Flensburgs, wo sie derzeit eine Wohnung saniert.
Beschwerlicher Weg ins Baugewerbe
Der Weg in den neuen Beruf war für sie jedoch beschwerlich. Von mehr als 20 Bauunternehmen aus der Region erhielt sie fast ausschließlich Absagen, begleitet von Sprüchen wie "Ne Frau auf Bau, nee, das wollen wir nicht" und "dann müssen wir ja ''ne zweite Toilette aufstellen". Ihre einzige Einladung zu einem Vorstellungsgespräch nutzte sie und begann vor drei Jahren ihre Ausbildung beim Bauunternehmen Carstensen. "Es war zu Anfang körperlich hart und ich hatte das Gefühl, dass ich mich mehr beweisen musste als die männlichen Nachwuchsmaurer, aber es hat sich gelohnt", sagt Wilhelmsen heute mit einem Lächeln.
Steigende Frauenquote im Handwerk
Im vergangenen Jahr war Jessica Wilhelmsen eine von 14 Frauen in Schleswig-Holstein, die eine Ausbildung zur Maurerin absolvierten. Bei insgesamt 348 Auszubildenden entsprach dies einer Frauenquote von vier Prozent. Vor fünf Jahren lag der Anteil im Land bei zwei Prozent, vor zehn Jahren bei unter einem Prozent. Auch in anderen Bauberufen nimmt der weibliche Anteil zu: Bei den Dachdeckern stieg er zwischen 2020 und 2025 von 1,7 auf 6,3 Prozent, bei den Zimmerleuten von 2,9 auf 6,2 Prozent.
Anderen Frauen Mut machen
Auf der Baustelle mauert Wilhelmsen derzeit eine Wandnische unter einem Fenster zu. Ihr Kollege Knut Sogorski, der seit 21 Jahren in der Firma ist und häufig Auszubildende an seiner Seite hat, rührt dafür Maurermörtel an. Wilhelmsen scheue sich nicht zu fragen, wenn sie nicht weiterwisse, und behalte Erklärtes schnell. Mit ihrem Gesellenbrief möchte Flensburgs erste Maurerin auch anderen jungen Frauen Mut machen: "Am Ende ist es ein Job, den jeder und jede schaffen kann", gibt sie mit auf den Weg.