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Umfrage zur Wohnsituation: Geplante Hilfen für Auszubildende stehen in der Kritik

Eine Befragung der Kammern in Schleswig-Holstein zeigt, dass die Mehrheit der Auszubildenden mit ihrer Wohnsituation zufrieden ist. Statt eines zentralen Azubiwerks fordern Handwerk und Industrie vor allem dezentrale Unterstützung.

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Zweieinhalb Stunden Busfahrt zur Berufsschule? Da ist der Fisch ja schneller gepult. — Rocky, Chefkolumnist
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Eine Umfrage von Industrie- und Handelskammer sowie Handwerkskammer zeigt, dass zwei Drittel der Auszubildenden in Schleswig-Holstein mit ihrer Wohnsituation zufrieden sind. Die von der Landesregierung geplanten Maßnahmen für ein Azubiwerk gehen nach Einschätzung der Kammern teilweise am tatsächlichen Bedarf vorbei. Vielmehr seien zielgerichtete und dezentrale Hilfen vor Ort notwendig.
An der Befragung, deren Ergebnisse am 28. August veröffentlicht wurden, nahmen knapp 4.000 Auszubildende teil. Mehr als die Hälfte der Befragten wohnt weiterhin bei den Eltern und sucht sich den Ausbildungsbetrieb möglichst in der Nähe. Dennoch führen fehlende Unterkünfte vereinzelt zu Absagen. Ausbildungsleiter Michael Böhm berichtet von einem angehenden Industriemechaniker-Lehrling aus Nordrhein-Westfalen, der eine Stelle im Ausbildungszentrum der Bundeswehr in Eckernförde ablehnen musste: "Er sagte ab, weil er keine Wohnung fand". Solche Fälle stellen laut der Erhebung allerdings eher eine Ausnahme dar.

Probleme bei der Erreichbarkeit der Berufsschulen

Als ein größeres Hindernis erweisen sich die Fahrten zur Berufsschule. Elektrotechnikermeister Peter Zahn aus Rendsburg im Kreis Rendsburg-Eckernförde schildert, dass seine Lehrlinge mit dem öffentlichen Personennahverkehr zweieinhalb Stunden zur Berufsschule nach Norderstedt unterwegs sind. "Wenn Eltern ihren Kindern keinen Führerschein und kein Auto finanzieren können, ist das oft eine Entscheidung gegen diesen dringend benötigten Beruf", sagt Zahn, wie die Tagesschau berichtet.Vorsitzender der Grünen-Landtagsfraktion Lasse Petersdotter hat die Initiative für ein Azubiwerk ergriffen, das vom Bildungsministerium umgesetzt werden soll. Die Institution soll ab Anfang 2027 einen Hauptstandort sowie dezentrale Wohnheime und Beratungsangebote bereitstellen. "Während Studierende vom breiten Angebot des Studentenwerks profitieren, gibt es eine vergleichbare Unterstützung für Auszubildende bislang nicht", erklärt Petersdotter. Nach Angaben des Innenministeriums strebt das Land an, für das Projekt "Junges Wohnen" von Bund und Ländern mindestens 30 Millionen Euro jährlich in Schleswig-Holstein zu investieren. Dem Azubiwerk sollen sieben Millionen Euro pro Jahr zur Verfügung stehen, um die duale Ausbildung mit der akademischen gleichzustellen. Für die Errichtung ist ein Gesetz zur Gründung einer Anstalt des öffentlichen Rechts in Arbeit. Zudem erhalten Auszubildende aus einer Bedarfsgemeinschaft eine einmalige Azubistarthilfe von 350 Euro für ihre erste Ausbildung.

Bedarf an dezentralen Lösungen und Rückzugsorten

Die Handwerkskammer betont hingegen: "Die duale Ausbildung funktioniert nicht wie ein Campus." Da Handwerksbetriebe in Städten, Mittelzentren, Dörfern sowie ländlichen oder touristischen Regionen liegen, fordert die Kammer direkte Hilfen vor Ort sowie Miet- und Mobilitätszuschüsse. Einige Unternehmen schaffen selbst Wohnraum. Dachdeckermeister Jan Witt aus Jevenstedt bei Rendsburg kaufte ein ehemaliges Seniorenheim, in dem ab 1. Oktober neun seiner rund 50 Azubis für 300 Euro Zimmermiete im Monat inklusive Sozialarbeiter wohnen können. "Hohe Mieten, schlechter ÖPNV, teurer Führerschein", zählt Witt die Hürden bei der Nachwuchssuche auf.Auch die Wirtschaftsakademie (WAK-SH) bietet an vier Standorten 384 Wohnheimplätze an. Nach Aussage von Sprecher Torben Erhorn unterscheidet sich die Nachfrage je nach Standort. In Kiel bezog Azubi Roger Leon Gambini Gutjahr Mitte August ein Zimmer, da das Wohnen bei den Eltern "zu eng zum Lernen" war. Eine eigene Wohnung mit seiner Freundin fand der 26-Jährige nicht. Nur rund zehn Prozent der Befragten bevorzugen jedoch ein Wohnheim. Nadine Grün von der Handwerkskammer erklärt: "Sie suchen zum Feierabend eher Ruhe und Rückzug als Gemeinschaft." Das Bildungsministerium will die Erkenntnisse aus den Umfragen in die weiteren Diskussionen um das Azubiwerk einfließen lassen.

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