Initiative in Zeven: Rüdiger Kutz setzt sich für Reaktivierung der Bahnstrecke ein
Mit dem sogenannten „Bahndialog“ möchte der Zevener Rüdiger Kutz seine Mitbürger zu mehr Eigeninitiative anregen. Neben dem Anschluss an den Zugverkehr stehen weitere Ideen für die Stadtentwicklung im Fokus.
Initiator fordert Anbindung an den Schienenverkehr
Rüdiger Kutz, 1958 in Zeven geboren, predigt Selbstwirksamkeit. Er möchte die Zevener ermuntern, Gestaltungswillen zu entwickeln und mit vereinten Kräften an den Tag zu legen. Als Objekt, hinter dem sich Zevener versammeln mögen, dient Kutz die Bahn-Reaktivierung. Er hat Erfahrung mit Selbstwirksamkeit, mit Zeven, mit Graswurzeldynamik und mit Projektarbeit. Vor mehr als 50 Jahren war er als Mitinitiator des ersten Zevener Jugendzentrums im „Brockmannschen Haus“ in der Straße Auf der Worth umtriebig und hartnäckig.
Nach dem Abitur kehrte er Zeven den Rücken, kam als Student und Unternehmer in Deutschland und der Welt herum. Viele Jahre war sein Lebensmittelpunkt Hamburg, ehe er mit Frau und Tochter auf das Land zog. „Ich bin gezwungenermaßen nach Zeven zurückgekehrt“, bekennt Kutz. Zeven sei nach der Rückkehr nicht mehr als eine Schlafstadt für ihn gewesen, in der er sich abgeschnitten fühlte. Kutz urteilt, Zeven sei „nicht mehr der aufstrebende Ort meiner Jugend“, sondern abgehängt und infrastrukturell vernachlässigt.
Exemplarisch veranschaulichen lasse sich das daran, dass Zeven als Mitte des Elbe-Weser-Dreiecks nicht per Zug zu erreichen ist. Kutz kritisiert, dass Zeven der Maschinenraum des Kreises sei, doch „das Zevener Geld wird woanders ausgegeben“. Zeven, dessen Wirtschaft auf Einpendler angewiesen ist, gehöre an den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) angeschlossen, ist Kutz überzeugt. Anstoß gab ihm die temporäre Öffnung des „Haus der Möglichkeiten“ am Gauß-Brunnen. Ermutigt habe ihn zudem die Bremer Initiative „einfach einsteigen“, die sich die Reaktivierung von Bahnstrecken in Niedersachsen auf die Fahnen geschrieben hat.
Kritik an verpassten Chancen im ÖPNV
Niedersachsen habe in der Nachkriegszeit ein „traumhaftes Netz“ besessen, das in den 1960er und 1970er Jahren platt gemacht worden sei. Heute seien die Menschen im Landkreis Geiseln eines „erzwungenen Pkw-Besitzes“. Das Rad lasse sich nicht zurückdrehen, jedoch könnten ÖPNV und SPNV nachhaltig verbessert werden.
Gespräche von Bürger zu Bürger im „Haus der Möglichkeiten“ sowie die Unterstützung im Zevener Rathaus haben Kutz bestärkt. Als Bestätigung wertet Kutz die Resonanz auf den ersten „Bahndialog“ im Dezember 2025 und den zweiten im März dieses Jahres, zu denen zwischen 50 und 70 Interessierte kamen. Seither haben sich etliche Mitbürger gemeldet. Dem Wutbürgertum begegnen Kutz und seine Mitstreiter mit der Einladung, sich in die Phalanx derer einzureihen, die die Zukunft mitgestalten möchten – sei es für den Zuganschluss, ein Repaircafé oder eine Erzeugergemeinschaft für Hobbygärtner. Einst war der Staatsbahnhof Zeven an der Strecke Rotenburg-Bremervörde das Tor zur Welt, heute ist er zum Abriss freigegeben, um einen Parkplatz zu bauen.