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Windkraft in Bürgerhand: Wie Galmsbüll seit Jahrzehnten auf erneuerbare Energien setzt

In der nordfriesischen Gemeinde Galmsbüll betreiben Bürger und Kommune gemeinsam einen erfolgreichen Windpark. Das Projekt gilt als Vorzeigemodell für ganz Schleswig-Holstein.

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Wind haben wir an der Küste reichlich – schön, wenn er auch die Kasse füllt. — Rocky, Chefkolumnist
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In der Gemeinde Galmsbüll sind 80 von gut 90 Haushalten im Koog am dortigen Bürgerwindpark beteiligt, der gemeinsam mit der Kommune betrieben wird. Anlässlich eines Besuchs von Umweltminister Tobias Goldschmidt wurde bekannt, dass Schleswig-Holstein die Marke von 10 Gigawatt Windleistung erreicht hat. Die Gemeinde steht nun vor dem dritten Repowering ihrer Anlagen.
Mitbegründer Jess Jessen blickt auf die Anfänge des Projekts zurück. „Bei mir ist es 1987 losgegangen, nächstes Jahr sind es 40 Jahre“, erzählt er. Damals gab es zwei Mühlen zum Anschauen. „So richtig ernst genommen hat das niemand.“ Heute sieht die Lage anders aus: „Wir repowern den Windpark gerade zum dritten Mal“, berichtet Jessen. Die Genehmigungen für die neue Generation an Windrädern lägen vor, im kommenden Jahr beginne der Aufbau. Jessen betont den Stellenwert der Erneuerbaren: „Wir sind das Rückgrat der Energieversorgung, und beim Preis sind wir die Günstigsten.“ Das Projekt zeige den Zusammenhalt vor Ort: „Galmsbüll ist eine absolute Erfolgsgeschichte. Den Windpark tragen alle zusammen. Ein echtes Gemeinschaftsprojekt.“ Auch im Hinblick auf die kommenden Aufgaben erklärt er: „Jetzt sind wir bereit, Deutschland mit Energie zu versorgen.“

Regionale Wertschöpfung und finanzielle Erträge

Neben Jessen hebt auch Mitbegründer Torsten Levsen die Entwicklung hervor. „Mein Vater und Jess’ Vater haben hier im Koog schon in den 90er-Jahren Anlagen gebaut. Sie wollten ihre Betriebe erhalten“, sagt Levsen. Heute gehe es um das gesamte Land: „Wir erzeugen die Energie hier selbst, statt sie zu importieren.“ Levsen betont: „Jede Investition, die nicht zu Trump oder nach Dubai geht, ist eine gute Investition in unsere Zukunft.“ Im August dürften rund 71 Prozent des deutschen Stroms aus Wind, Sonne und Biomasse stammen. „Das ist ein unglaublicher Erfolg“, sagt er.
Welche finanziellen Dimensionen die Erneuerbaren Energien erreichen, zeigt eine gemeinsame Auswertung von Arge Netz und der Wirtschaftsförderung Nordfriesland, über die die shz berichtet. Danach flossen in gut 20 Jahren rund 29 Milliarden Euro in Wind-, Solar- und Bioenergieanlagen in Schleswig-Holstein, davon 6,75 Milliarden Euro allein in Nordfriesland. Dahinter stehen schätzungsweise 20.000 bis 25.000 Arbeitsplätze, die meisten auf dem Land. Zudem kehrt ein Teil des Geldes über eine besondere Abgabe direkt in die Standortgemeinden zurück: 2023 waren das 2,3 Millionen Euro, 2024 schon 5,2 Millionen Euro und im vergangenen Jahr 7,7 Millionen Euro. Ohne diese Einnahmen ließe sich laut Kommunalpolitikern in Nordfriesland manches kaum halten, bis hin zum Klinikum.

Sorgen um die Zukunft der Bürgerenergie

Trotz des Erreichten schwingt Sorge um die weiteren Entwicklungen mit. Umweltminister Tobias Goldschmidt macht keinen Hehl aus seinen Bedenken: „Ich mache mir große Sorgen um die Zukunft der Bürgerenergie“, sagt der Minister. Wenn am Ende nur noch die Rendite zähle, tue man sich keinen Gefallen. Die Energiewende gelinge nur als dezentrales Projekt. In Schleswig-Holstein sind 18 Prozent der Menschen an der Bürgerenergie beteiligt – so viel wie in keinem anderen Bundesland.

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