Toter Schweinswal auf Sylt entdeckt: Ursachen des Bestandsrückgangs im Fokus
Ein Fund in Kampen lenkt die Aufmerksamkeit auf die schrumpfende Schweinswal-Population vor Sylt. Unterwasserlärm, Altmunition und überraschende Fressfeinde setzen den Meeressäugern zu.
Der gebürtige Sylter Franz Pfleger entdeckte den toten Jungschweinswal bei einem Abendspaziergang an der Himmelsleiter in Kampen kurz nach 21 Uhr im Spülsaum. „Der lag einfach da, anscheinend hatte sich noch niemand für das Tier interessiert“, erzählt Pfleger, wie die shz berichtet. Er fasste das Tier nicht an, sondern rufen die Polizei: „Ich dachte, ich müsste jemanden informieren, der das wissen sollte.“<2>Gefahren für den Bestand vor Sylt„Die Schweinswale haben direkt vor Sylt ihre Kinderstube“, sagt Dennis Schaper von der Schutzstation Wattenmeer. Zwar kalben sie dort im Sommer geschützt vom Walschutzgebiet, doch die Population mit derzeit einigen Tausend Tieren nimmt seit Jahren ab. Gründe hierfür sind Schiffsverkehr, Meeresmüll, der Lärm von Offshore-Windparks sowie der Boom elektrischer Wassersportgeräte im Schutzgebiet. Der Baulärm stört die Echoortung und nahe einer Rammstelle kann ein Tier sogar ertauben. „Ein Schweinswal, der sein Gehör verliert, ist dem Tod geweiht“, sagt Schaper. Hinzu kommt das giftige Erbe des Zweiten Weltkriegs in Form von Tonnen versenkter Munition. „So langsam rostet all das am Meeresgrund durch“, warnt Schaper. „Wir müssen als Menschen viel mehr für den Schutz der Meere tun.“Zudem haben die Jungtiere mit Kegelrobben einen Feind, mit dem niemand gerechnet hat. Forscher stellten fest, dass Deutschlands größtes Raubtier junge Schweinswale und Seehunde attackiert. Auch vor Sylt trieb zeitweise ein besonders angriffslustiges Exemplar sein Unwesen. „Manchmal wohl, um sich zu ernähren – aber das scheint die Ausnahme zu sein. Scheinbar ist es eine Art Spiel“, sagt Schaper. Solche Attacken bleiben jedoch Einzelfälle.