Streuobstwiese in Hattstedt: Verein bewahrt alte regionale Apfelsorten
Der Verein Apfelhaus Hattstedt pflegt mehr als 300 Obstbäume und stellt aus der Ernte jährlich Tausende Liter Saft her. Dabei stehen der Naturschutz und der Erhalt historischer Sorten im Mittelpunkt.
An vier Wochenenden im Herbst finden sich Vereinsmitglieder und Schaulustige vor dem Kutscherhäuschen am Amtsweg in Hattstedt ein, wie die shz berichtet. „Die Ernte und die Versaftung sind ein tolles gemeinschaftliches Erlebnis“, betont Björn Pauschardt, Initiator des Vereins Apfelhaus Hattstedt. Auch Kinder hätten dabei großen Spaß. „Man darf uns durchaus über die Schulter gucken“, erklärt Pauschardt. „Wir pressen an die 4000 Liter pro Jahr“, sagt Pauschardt. Der fertige Saft wird normalerweise nur unter den Vereinsmitgliedern verteilt. Dabei gibt es einen Verteilungsschlüssel: Wer sich stärker an der ganzjährigen Pflege der Bäume, der Nachzucht und der Ernte beteiligt hat, bekommt am Ende auch mehr Saft. Natürlich darf das Obst auch für den Verzehr gepflückt werden. Wenn ein Außenstehender eine große Apfelspende vorbeibringt, bekommt er dafür eine Flasche als Dank. Da der Saft nach dem Pressen auf bis zu 80 Grad erhitzt wird, ist er mehrere Jahre haltbar.
Naturschutz und Artenvielfalt auf der Streuobstwiese
„Mit einer Streuobstwiese entsteht ein hochwertiges Biotop, das dem Artenschutz dient“, betont Pauschardt. Der Verein legt Wert darauf, dass auf dem Gelände vorwiegend alte und regionale Obstsorten gepflanzt werden. „Die Bäume haben alle eine unterschiedliche Blühzeit, was viel Nahrung für alle Arten von Insekten bedeutet“, erklärt Pauschardt. Durch das Fallobst bleibt immer auch etwas für andere Lebewesen auf der Wiese übrig. Zudem wurde auf dem Gelände eine Grotte als Zuflucht für Fledermäuse eingerichtet. Bei einem Rundgang wird deutlich, dass neben Äpfeln und Birnen auch zahlreiche Pflaumensorten – von der Mirabelle bis zur kleinen Wildpflaume, genannt „Kricke“ – hier stehen. Aroniabeeren, Mispeln und sogar Walnüsse wachsen hier.
Alte Sorten und historische Spuren
Christen Hingst, Schriftführer des Vereins, weiß über jeden Baum etwas zu erzählen. Als Gründer der Schülerfirma „Cox & Co“ in der Milstedter Gesamtschule bringt der Lehrer viel Erfahrung mit. Jahrelang brachte er Schülern die Grundlagen des Obstanbaus und der Saftherstellung bei. Bei seiner Recherche nach alten Sorten ist Hingst auf viele regionale Apfel- und Birnensorten gestoßen, die nach den Orten benannt sind, aus denen sie stammen. Da gibt es den „Hattstedter Streifling“ oder den „Langenhorner Friesenapfel“. Abenteuerlicher klingen Namen wie „Föhrer Weinsaurer“, „Rubin von Winderatt“ oder „Pfirsichroter Sommerapfel“. Letzterer soll der Lieblingsapfel von Theodor Storm gewesen sein. Auf dem Obstlehrpfad, den der Verein momentan anlegt, soll auch Storms Lieblingsapfelbaum einen besonderen Platz erhalten. Viele schmackhafte Apfelsorten seien in Vergessenheit geraten, weil die Menschen heute genormtes Obst im Supermarkt kauften. „Wir haben in der Gemarkung alte Sorten gefunden, die als verschollen galten“, erzählt Hingst. Die Identifikation und Zuordnung sei oft schwierig. Dabei müsse man sich manchmal durch alte Kirchenbücher wälzen, denn die Veredelung und Pflege der Obstbäume seien früher Teil der Ausbildung von Schulmeistern und Pastoren gewesen.
Besonderes Aroma und Mitgliedschaft
Von der Vielfalt auf der Streuobstwiese profitiert nicht zuletzt der Hattstedter Saft: Er zeichnet sich durch ein ganz besonderes Aroma aus. „Es entsteht durch die Zugabe von Wildobst“, sagt Hingst. „Die Mischung macht’s“, betont auch Pauschardt. Der Saft sei sehr ergiebig und süß und auch mit Wasser verdünnt sehr schmackhaft. Die Flaschen sind wiederverwendbar. Eine Mitgliedschaft beim Apfelhaus kostet pro Person 24 Euro im Jahr, für Familien 36 Euro. Das Apfelhaus Hattstedt ist dankbar für externe Apfelspenden nach vorheriger Anmeldung. Weitere Infos unter www.apfelhaus-hattstedt.de.