Krabbenfischerei in Schlüttsiel: Zwischen Marktpreisen und Bürokratie
Krabbenfischer Niels Friedrichsen berichtet über schwankende Erträge, Nachhaltigkeitsstandards und die steigende Belastung durch bürokratische Vorgaben.
Mehr Papierkram als Krabben im Netz – da vergeht einem ja glatt der Appetit!
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Der Krabbenfischer Niels Friedrichsen aus Schlüttsiel führt die Fischerei auf der Nordsee in fünfter Generation fort. Neben schwankenden Marktpreisen und steigenden Dieselkosten belasten vor allem bürokratische Auflagen das Geschäft der Fischer, wie die shz berichtet. Dennoch setzt der 46-Jährige seine Fahrten auf der Nordsee fort. Im Hafen von Schlüttsiel bereitet Niels Friedrichsen die nächste Fahrt mit seinem 18 Meter langen Kutter vor. Der seit 2006 selbstständige Fischer stammt von der Hallig Hooge und absolvierte nach einer kaufmännischen Ausbildung die Ausbildung in der Fischerei. Gegen vier oder fünf Uhr morgens geht es los. „Man fischt mit der Tide, mit dem Strom“, sagt Friedrichsen. Er ist meist von Sonntag bis Dienstag sowie von Mittwoch bis Donnerstag oder Freitag unterwegs, begleitet von zwei oder drei Männern. Auch seine Stiefbrüder Lars und Mike fahren Kutter, während bis vor einigen Jahren auch der Vater dabei war.<2>Arbeitsalltag und wirtschaftliche FaktorenFür den Fischer zählt die Kalkulation hinter jeder Fahrt: „Mit möglichst wenig Aufwand so gut wie möglich wegkommen, alles eine Rechenfrage.“ Im Durchschnitt landen 300 bis 400 Kilogramm Krabben pro Fangtag an Bord, an guten Tagen bis zu zwei Tonnen. Das Kilo bringt im Mittel rund fünf Euro. Nach einem Rekordjahr waren die Preise im März und April hoch, ehe steigende Dieselkosten, sinkende Erlöse sowie rückläufige Fänge ab Juni folgten. Hinzu kamen fehlende Kapazitäten zum Pulen der Krabben in Marokko. „Wenn einer mit dem Preis runtergeht, ziehen die anderen nach. Der Marktpreis ist nicht immer ganz logisch zu erklären.“, erklärt Friedrichsen. Die gefangenen Krabben gehen größtenteils an eine von den Fischern gegründete Erzeugergesellschaft oder werden direkt vom Kutter verkauft.
Nachhaltigkeit und bürokratische Hürden
Friedrichsen und sein Bruder fahren nach dem MSC-Nachhaltigkeitsstandard mit Netzen von 25 Millimetern Maschenweite und einem Zusatznetz zur Verminderung von Beifang. „MSC macht schon Sinn“, sagt Friedrichsen, verweist jedoch auch auf die Begrenzung der Fangstunden: „Ob Holland, Dänemark oder wir, wir befischen alle den gleichen Bestand. Mitunter könnten wir öfter rausfahren als die Nachbarn, dürfen es dann aber nicht.“ Kleinere Schiffe müssten „an den guten Tagen fischen und es ausnutzen“. Für sich und seine Brüder stellt Friedrichsen fest: „Wir sind aus dem Gröbsten raus, die Schiffe sind abbezahlt“.Besonders erschwerend seien jedoch Verwaltungsauflagen. „Was die letzten Jahre diesen eigentlich schönen Beruf kaputt gemacht hat, sind die Verwaltungsauflagen“, so Friedrichsen. Er ergänzt: „Was wir an Papierkram bewältigen müssen, ist der Wahnsinn.“ Obwohl Nordseekrabben nicht quotiert sind, müssen jede Fahrt, Müll-, Öl- und Besatzungstagebücher sowie Fangmeldungen erfasst werden. Selbst private Kutterfahrten sind anmeldepflichtig. „Das ist das, was diesen Job in den letzten Jahren mühselig gemacht hat.“, so Friedrichsen. Von Anfang März bis Mitte Dezember dauert die Saison. Beim Fischen nahe der Halligen oder Richtung Büsum und Elbe ergänzt Friedrichsen lachend: „Dann herrscht zwischen uns auch ein gesunder Wettkampf“. Im Winter folgen Reparaturen und Instandsetzungen der Kutter.
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