Deutscher Wetterdienst zieht Sommerbilanz: Zweitheißester Sommer seit Beginn der Messungen
Der vergangene Sommer brachte Deutschland und dem Norden historische Temperaturrekorde, Trockenheit und Hitzewellen. Das Robert-Koch-Institut registrierte zudem hunderte hitzebedingte Todesfälle.
Der Deutsche Wetterdienst hat seine Bilanz für den vergangenen Sommer vorgelegt, der nach dem Jahr 2003 als der zweitheißeste in Deutschland seit Beginn der flächendeckenden Wettermessungen gilt. Auch in Norddeutschland lagen die Temperaturen deutlich über dem langjährigen Durchschnitt und führten zu neuen Hitzerekorden. Zudem verursachten die extremen Temperaturen wirtschaftliche Schäden und führten nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts zu zahlreichen Todesfällen. Der Klimawandel wurde in diesem Sommer mit einer bundesweiten Durchschnittstemperatur spürbar, die um 3,3 Grad über dem Schnitt der vergangenen fast 150 Jahre lag. Wie die Tagesschau meldet, traf die Hitze Norddeutschland zwar nicht ganz so heftig, doch auch dort war es mindestens zwei Grad wärmer als sonst üblich.
Rekordtemperaturen in den norddeutschen Bundesländern
Niedersachsen verzeichnete mit einer Durchschnittstemperatur von 18,7 Grad eine Abweichung von 2,5 Grad vom langjährigen Durchschnitt und damit den höchsten Wert im Norden. Dort gab es 14 heiße Tage mit mehr als 30 Grad. An einzelnen Stationen abseits der Küsten, wie in Bad Harzburg, wurden erstmals bis zu fünf Tage über 35 Grad registriert. Lüchow im Nordosten des Landes meldete Ende Juni 40,2 Grad, was einen neuen Rekord für Niedersachsen darstellt.Hamburg war mit 18,9 Grad das wärmste Bundesland im Norden und lag 2,4 Grad über dem Normalwert. Verantwortlich dafür war vor allem der ungewöhnlich warme Juni. In Hamburg wurden 14 Hitzetage über 30 Grad und vier sehr heiße Tage mit mehr als 35 Grad gemessen – so viele wie nie zuvor. Die Höchsttemperatur betrug 39,4 Grad.Mecklenburg-Vorpommern wies mit 18,3 Grad die zweitniedrigste Durchschnittstemperatur aller deutschen Bundesländer auf, lag jedoch zwei Grad über dem Schnitt. Erstmals gab es dort zwei Tage mit mehr als 35 Grad und acht Tage mit über 30 Grad. Ende Juni wurde in Anklam mit 39,6 Grad ein neuer Landesrekord aufgestellt.In Schleswig-Holstein war das Wetter mit durchschnittlich 17,7 Grad am kühlsten, lag jedoch 1,9 Grad über dem langjährigen Schnitt. Das Land verzeichnete über die Fläche gemittelt sieben Hitzetage über 30 Grad und abseits der Küsten zwei Tage über 35 Grad. Grambek markierte am 27. Juni mit 39,2 Grad einen neuen Landesrekord.
Sonnenschein, Trockenheit und Großbrände
In allen nördlichen Bundesländern schien die Sonne mehr als sonst. Spitzenreiter war Mecklenburg-Vorpommern mit 760 Sonnenstunden, gefolgt von Schleswig-Holstein mit 704 Stunden. Niedersachsen verzeichnete mit 19 Prozent den größten Zuwachs an Sonnenstunden.Gleichzeitig regnete es überall weniger als üblich. Während Schleswig-Holstein nur leicht unter der normalen Regenmenge blieb, fielen in Niedersachsen 84 Prozent des üblichen Niederschlags. In Mecklenburg-Vorpommern führten Trockenheit und Hitze Ende Juni und im Juli im Müritz-Nationalpark zu zwei Großbränden auf einer Fläche von insgesamt mehr als 400 Hektar.
Steigende Zahl an Hitzetoten
In keinem der vergangenen zehn Jahre gab es so viele Hitzetote wie in diesem Jahr. Für Norddeutschland schätzt das Robert-Koch-Institut die Zahl der hitzebedingten Todesfälle auf 730 Menschen.Umgerechnet auf 100.000 Einwohner starben im Norden fünf Menschen an den Folgen der Hitze. Deutschlandweit lag dieser Wert bei 19 Verstorbenen pro 100.000 Einwohner, während im Saarland und in Rheinland-Pfalz um die 50 Hitzetote pro 100.000 Einwohner zu beklagen waren.Textbeiträge stammen von Frauke Reyer, die Grafiken von Lalon Sander und Alexander Mühlhausen.
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