Aus nach 57 Jahren: Fockbeker Apotheke schließt im September
Die Fockbeker Apotheke an der Rendsburger Straße stellt im September ihren Betrieb ein. Inhaberin Friederike Vogler sieht wegen steigender Unkosten und ausbleibender Honoraranpassungen keine wirtschaftliche Basis mehr.
Inhaberin Friederike Vogler hat das Geschäft im Jahr 2013 übernommen, nachdem sie zuvor bereits zehn Jahre bei dem früheren Inhaber Gunther Wippich angestellt war. Sie kennt ihre Kundschaft seit vielen Jahren, wie die shz berichtet. „Oma, Opa, Mama, Papa und die Enkel – man kennt sich und ist zusammen älter geworden“, sagt die Apothekerin.
Ausschlaggebend für das Aus war die finanzielle Belastung. „Seit eineinhalb Jahren verdiene ich quasi nichts mehr“, so Vogler. Hauptproblem sei das seit 2013 nicht mehr erhöhte gesetzliche Festhonorar für rezeptpflichtige Medikamente, während die laufenden Kosten für Fachpersonal vor Ort spürbar gestiegen sind.
Zudem verbot der Bundesgerichtshof im Februar 2024 dem pharmazeutischen Großhandel, Apotheken Skonti auf rezeptpflichtige Arzneimittel zu gewähren, die den gesetzlichen Mindestpreis untergraben. Dies bedeutete für Vogler nach eigenen Angaben Einbußen von rund 20.000 Euro pro Jahr.
Ebenso verloren die Apotheke und ihr Team rund zehn Prozent der Kunden an das Internet. Werbekampagnen wie die des „sympathischen Schwiegersohn-Typs Günther Jauch“ verleiten selbst ältere Menschen zum Online-Shopping, sagt Vogler. Zuletzt hielt die Apothekerin den Betrieb nur durch den Zugriff auf eigene Rücklagen aufrecht.
Finanzielle Gründe und Entwicklung im Raum Rendsburg
Trotz der Entwicklung investierte die Unternehmerin in den vergangenen fünf Jahren nochmals 20.000 Euro in die Ausstattung. „Ich wollte das ja eigentlich bis zu meiner Rente machen“, sagt sie. Seit dem Jahreswechsel informierte Vogler nach und nach ihre Mitarbeiter. Da sie mit ihrer Vermieterin einen Zwei-Jahres-Optionsvertrag ausgehandelt hatte, konnte sie die ausstehende Verlängerung einfach auslassen.Im Raum Rendsburg gab es in den vergangenen Jahren mehrere Schließungen. Auf einer Notdienstliste aus dem Jahr 2011 waren 31 Geschäfte gelistet, von denen aktuell nur noch 17 übrig sind. Mit dem Aus der Fockbeker Apotheke sinkt die Zahl auf 16. In der Gemeinde verbleibt die etwa 500 Meter entfernt gelegene Brunnen-Apotheke.
Zukunft von Inhaberin und Personal
Apothekerin Vogler plant, ihre letzten sechs Arbeitsjahre bis zum Ruhestand als Teilzeit-Angestellte in einer anderen Apotheke zu verbringen. Wo genau sie arbeiten wird, ist jedoch „noch nicht spruchreif“.Die Zukunft ihrer Angestellten ist ebenfalls sichergestellt, da alle bereits eine Anschlussanstellung gefunden haben. „Obwohl sie schon länger von der anstehenden Schließung wussten, ist keiner von ihnen vorher gegangen. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt die Apothekerin.
Zum Abschied erklärt Vogler: „Ich habe hier wirklich gern gearbeitet und werde die Kunden und meine Mitarbeiter sehr vermissen. Ein treuer Kundenstamm und eine eingeschworene Mannschaft fallen auseinander. Aber als Unternehmerin muss man auch Geld verdienen. Doch das ist unter diesen Umständen einfach nicht mehr möglich.“