Rekordjahr bei Weißstörchen: 808 Jungvögel im Landkreis Cuxhaven ausgeflogen
Im Landkreis Cuxhaven verzeichnen Naturschützer einen neuen Höchststand bei ausgeflogenen Jungstörchen. Trotz dramatischer Rettungseinsätze und einiger Verluste zogen die Tiere erfolgreich Hunderte Küken auf.
So viele Klapperstörche! Da ist auf den Dächern im Norden mächtig was los.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Im Landkreis Cuxhaven ist in dieser Brutsaison ein neuer Rekord bei den Jungstörchen verzeichnet worden. Insgesamt 808 junge Weißstörche sind erfolgreich ausgeflogen, wie die Nordsee-Zeitung berichtet. Trotz einzelner Notfälle und Rettungsaktionen verlief die Brutsaison für den Bestand im Kreisgebiet äußerst erfolgreich. Im Landkreis Cuxhaven gab es in diesem Jahr insgesamt 368 Nestpaare. Aus 308 Bruten gingen flügge Jungvögel hervor. Im vergangenen Jahr wurden zwar mehr Nestpaare gezählt, jedoch flogen damals lediglich 527 Jungstörche aus. Die meisten Paare, nämlich 135, zogen drei Jungen erfolgreich auf, während 44 Nestpaare vier Küken aufzogen. In einem Horst in Sandstedt flogen sogar sechs Jungstörche aus. Zudem haben sich in Odisheim und Sievern regelrechte Kolonien mit jeweils mehr als 20 besetzten Horsten entwickelt.
Einsätze für verwaiste Jungvögel
Die erste Brutsaison als Storchenbetreuerin im Landkreis Cuxhaven verlangte Ursel Richelshagen einiges ab. In Bad Bederkesa wurde ein Elterntier tot auf dem Bauhofgelände entdeckt. Das Männchen hatte plötzlich drei Jungvögel allein zu versorgen. Um das Überleben der Tiere zu sichern, ließ sich Richelshagen mit einem Steiger hoch zum Horst fahren und entnahm zwei junge Störche. Diese brachte sie in die Obhut von Udo Hilfers, der eine Storchenstation in Berne im Landkreis Wesermarsch aufgebaut hat und viel Erfahrung im Umgang mit Störchen besitzt. Der Altvogel schaffte es, das verbliebene Junge „Ernst“ allein aufzuziehen. Einen ähnlichen Fall hatte Richelshagen, die auch geschäftsführende Vorsitzende des Naturschutzbundes (NABU) Land Hadeln ist, eine Woche später in Lüdingworth. Nach dem Tod eines Brutvogels attackierte ein fremdes Storchenpaar das verbliebene Küken. „Doch sie waren deutlich kleiner als in Bad Bederkesa“, erzählt Richelshagen. Sie holte auch das dritte Küken aus dem Nest und brachte es nach Berne.
Hilfe durch die Pflegestation in Berne
Richelshagen ist Anke Hilfers und Udo Hilfers überaus dankbar, dass sie verwaiste und verletzte Störche in Obhut nehmen. „Udo Hilfers steht uns immer mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Richelshagen. Nach ihren Informationen wurden 23 Jungstörche nach Berne gebracht, die nicht in der Statistik der ausgeflogenen Jungstörche im Landkreis Cuxhaven enthalten sind. Vier dieser Jungstörche mussten aufgrund schwerer Verletzungen wie irreparablen Beinbrüchen eingeschläfert werden. „Einen Jungstorch habe ich hier in einer Tierarztpraxis einschläfern lassen müssen“, berichtet Richelshagen. Mindestens ein Weißstorch wurde nach ihren Angaben Opfer einer Windenergieanlage. Zudem verloren sieben Altstörche, davon vier mit Bruten, während der Saison ihr Leben. Dass Richelshagen mittlerweile in mehreren Orten unkompliziert Steiger bekommen kann, ist für die Ehrenamtliche eine erhebliche Erleichterung.
Brutdaten aus Bremerhaven und Abzug nach Süden
In Bremerhaven waren im Stadtsüden drei von vier Horsten besetzt. Bisheriger Storchenbeauftragter Achim Mülter unterstützt seine Nachfolgerin und behält die dortigen Bruten im Blick. Die drei Bremerhavener Brutpaare zogen sechs Jungstörche erfolgreich auf. Mülter: „Wir sind zufrieden.“ Mittlerweile sind die allermeisten Jung- und Altstörche abgezogen und auf dem Weg in ihre Winterquartiere in Afrika oder Südeuropa.
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