Rückblick auf spektakuläre Kriminalfälle in Nordfriesland
Mehrere schwere Verbrechen beschäftigten in den vergangenen Jahren die Ermittler an der Westküste. Eine Übersicht beleuchtet die Hintergründe der aufsehenerregenden Fälle.
Der Dünen-Mord auf Amrum
Am 27. April 2017 wurde der irakische Flüchtling Ceetin K. zum letzten Mal lebend auf Amrum gesehen. Nach einer Vermisstenanzeige und Ermittlungen im Zusammenhang mit einem Einbruch meldete eine Amrumerin der Polizei, dass sich Maxim A. und Marvin H. am Tag des Verschwindens mit Ceetin K. getroffen hatten. Nach einer Auseinandersetzung wurde Ceetin K. von den beiden Männern getötet und in den Amrumer Dünen verscharrt. Das Motiv, eine angebliche Vergewaltigung der Freundin eines der Täter, erwies sich im Nachhinein als frei erfunden. Nachdem Marvin H. ein Geständnis abgelegt und die Beamten zum Versteck geführt hatte, wurde die Leiche im Oktober 2017 geborgen. Das Landgericht Flensburg verurteilte Maxim A. im Jahr 2018 wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, Marvin H. nach Jugendstrafrecht zu sieben Jahren und drei Monaten sowie die Freundin von Maxim A. wegen Beihilfe zu drei Jahren Haft.Tötungsdelikt in Winnert und tote Säuglinge in Husum
Im Jahr 2003 kam Imane R. als Au-pair-Mädchen nach Rendsburg und zog später mit dem Maler Christian R. nach Winnert im Kreis Nordfriesland. Nach anhaltenden Streitigkeiten, bei denen laut Nachbarn „Dann flogen regelrecht die Fetzen“, erschien Imane R. am 25. September 2008 nicht zu ihrer Arbeit als Kellnerin in der Husumer Disco „Nachtschicht“ und blieb verschwunden. Christian R. meldete seine Frau nicht als vermisst, sondern behauptete, sie sei mit einem anderen Mann fortgegangen, und zeigte der Kripo eine SMS vom Handy seiner Frau mit dem Inhalt „Ich komme nicht wieder.“, berichtet die shz. Nachdem Leichenspürhunde im bereits verkauften Familienauto anschlugen, gestand Christian R. bei einer Hausdurchsuchung, seine Frau nahe einem Maisfeld bei Rantrum mit einer Wäscheleine erdrosselt, im Garten vergraben und mit einer Betonplatte übergossen zu haben. Er wurde wegen Mordes verurteilt.Ein weiterer Fall betrifft die Entdeckung von fünf dead Babys. Nach Funden zweier Säuglinge in den Jahren 2006 und 2007 geriet eine 28-jährige Frau aus Husum ins Visier der Polizei. Sie gestand bei der Kripo Flensburg die Tötung von insgesamt fünf eigenen Säuglingen. Drei weitere Kinderleichen wurden im Keller ihres Wohnhauses in Kartons entdeckt. Als Motiv gab die Frau Überforderungsängste an. Sie wurde 2012 wegen Totschlags in fünf Fällen verurteilt.
Gewalttaten in Husum
Im Winter 2012 ereignete sich in Husum-Schobüll ein Familiendrama. Ein 25-jähriger Mann gestand, seine 52-jährige Mutter nach einem Streit über finanzielle Fragen getötet zu haben. Nach einem Täuschungsversuch und einer Vermisstenmeldung stellte er sich der Polizei, nachdem Spaziergänger die Leiche im Fußraum eines geparkten Autos gefunden hatten. Er wurde vor dem Landgericht Flensburg wegen Totschlags verurteilt.Ebenfalls im Juli 2012 wurde eine 52-jährige Frau in einem Haus in der Süderstraße in Husum tot aufgefunden. Ihr Ex-Mann wurde noch am Tatort festgenommen und räumte die Tötung ein. Nähere Angaben zum Tathergang machte er laut Staatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt nicht. Er wurde später wegen Mordes vor dem Landgericht Flensburg verurteilt.