Nachfahre spürt Grabstätte in Ulsnis auf: Lebensgeschichte von Ludwig Bydekarken entdeckt
Ein mysteriöses Grab im Schlei-Dorf Ulsnis führte zu einer Ahnenforschung. Nun hat ein Urenkel des Bruders die Grabstätte besucht und historische Familiendetails offenbart.
Familienforschung auf dem Friedhof – so bleibt die Verwandtschaft wenigstens schön ruhig.
— Rocky, Chefkolumnist
Illustration: KI-generiert
Ein lange ungeklärtes Grab in der Schlei-Gemeinde Ulsnis hat durch die Suche eines Anwohners eine überraschende Wendung erfahren. Nach einem Aufruf meldete sich ein Verwandter des 1927 verstorbenen Beigesetzten und besuchte erstmals die Grabstätte. Durch historische Dokumente ließen sich Details der Lebensgeschichte rekonstruieren, dennoch bleiben Fragen zum Verbleib der Ehefrau offen. Der Ulsnisser Richard Krohn beschäftigte sich seit Längerem mit dem alten Grab auf dem Friedhof des Schlei-Dörfchens. Über den Beigesetzten Ludwig Bydekarken, der 1927 im Alter von 59 Jahren im Schleswiger Krankenhaus starb, war vor Ort wenig bekannt, weshalb vermutet worden war, es handele sich um ein Findelkind. Krohn initiierte einen Aufruf im Gemeindebrief der Kirchengemeinde, den auch die Medien aufgriffen, wie die shz berichtet. Daraufhin meldete sich Philipp Bydekarken aus Rickert bei Kiel, der Urgroßenkel von Ludwig Bydekarkens älterem Bruder Henry.
Spurensuche am Grab in Ulsnis
Gemeinsam mit seiner Frau und Richard Krohn besuchte Philipp Bydekarken die Grabstätte in Ulsnis, legte Rosen auf den Stein mit der Kupfer-Urne und brachte ein altes Fotoalbum aus Leder und Holz mit. „Das ist ein komisches Gefühl. Hier spürt man irgendwie, dass die eigene Familie Spuren hinterlassen hat“, sagt er.Auch Viola Thordsen aus Langstedt schaltete sich in die Nachforschungen ein und brachte weitere Urkunden aus Archiven sowie aus dem Internet mit. Im Abgleich mit dem Familienstammbaum, dessen Aufzeichnungen im Jahr 1658 beginnen, sowie weiteren Dokumenten zeigte sich, dass Ludwig Bydekarken kein Findelkind war. Er wurde im April 1868 in Husum geboren und war der Sohn des Gastwirts des damaligen Hotel Stadt Hamburg in Husum.
Auswanderung und offene Fragen
Ab 1895 führte der Urgroßvater von Philipp Bydekarken zusammen mit seinem Bruder Ludwig die Husumer Weinstube. Später übernahm Ludwig den Betrieb allein und heiratete Luise Amanda Hinrichsen aus Hestoft bei Ulsnis. Im Jahr 1902 reiste der Weinhändler mit seiner Frau und dem vierjährigen Sohn Erich auf dem Dampfer S. S. Moltke über Ellis Island in die USA aus. In einem Obstanbaugebiet in Kalifornien verdiente sich die Familie als Farmer ihren Lebensunterhalt.Im Jahr 1920 verliert sich die Spur von Ludwig Bydekarken in den USA; er kehrte offenbar in die Heimat seiner Frau nach Hestoft zurück und verstarb 1927 in Schleswig. Seine Frau Luise Amanda blieb zumindest zeitweise bei Sohn Erich auf Hawaii, wo dieser seinen Namen in Eric Byde ändern ließ. Laut einer Quelle von 1931 spendete die „Witwe Bydekarken in Honolulu“ 100 Reichsmark an die Ulsnisser Kirche. Luise Amanda starb 1944 in Schleswig; Nachkommen von Eric leben bis heute auf Hawaii.Auf dem Grab in Ulsnis fehlt jedoch ein Hinweis auf die Ehefrau. Wo Luise Amanda beerdigt liegt, ist unklar. „Es fühlt sich falsch an, zu glauben, dass die zwei sich noch getrennt haben“, findet Philipp Bydekarken. Er ergänzt: „Es hat mich berührt, dass Ludwig uns hier an seinem Grab zusammengebracht hat. Als ob er uns gerufen hätte.“
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