Geplante Vollsperrung der B76 bedroht Edeka-Markt in Fleckeby
Wegen einer bevorstehenden monatelangen Vollsperrung der B76 befürchtet Edeka-Inhaber Michael Paasch das Aus seines Traditionsbetriebs. Auch die Gemeinde sorgt sich um die wirtschaftlichen Folgen und die Notfallversorgung.
Edeka-Inhaber Michael Paasch leitet den Markt in Fleckeby seit 34 Jahren in dritter Generation. Das Geschäft wurde von seinem Großvater im April 1934 gegründet. „Mein Opa hat das Geschäft im April 1934 gegründet. Den Krieg und alle Krisen hat der Laden überstanden – und ausgerechnet das Straßenbauamt killt ihn jetzt“, sagt der 59-jährige Inhaber ergriffen, wie die shz berichtet. Zusammen mit seiner Frau Martina blickt er mit großer Sorge auf die Pläne, da die B76 direkt vor der Ladentür verläuft.
Sorgen um Existenz und Arbeitsplätze
Paasch erfuhr erst vor einer Woche durch Zufall von der geplanten Vollsperrung durch den Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV.SH). „Ich habe erst vor einer Woche durch Zufall von der Sperrung erfahren“, berichtet Paasch. Eine Nachkalkulation mit dem Steuerberater ergab niederschmetternde Ergebnisse: „Bei einer Vollsperrung sind die Umsatzeinbußen so gewaltig, dass ich den Laden dichtmachen muss. Die Firma ginge insolvent“, stellt Paasch klar. Er betont: „Eine Vollsperrung wäre für uns eine absolute Katastrophe.“
Die B76 zählt zu den meistbefahrenen Bundesstraßen im Land und wird täglich von rund 8000 Fahrzeugen genutzt. Neben Pendlern und Urlaubern würden auch Stammkunden aus umliegenden Orten wie Kosel, Missunde oder Kochendorf Ausweichrouten meiden. „Ich habe schon mit vielen Kunden gesprochen. Die meisten sagen ganz ehrlich, dass sie während der Sperrung woanders einkaufen gehen“, so der Edeka-Chef.
Wegen einer sechsmonatigen Kündigungsfrist muss der Kaufmann handeln. „Ich habe immer für die Post im Laden gekämpft, aber die muss ich jetzt schweren Herzens kündigen.“ Zudem droht ein Stellenabbau. „Wir sind ein großartiges Team aus 34 Mitarbeitern. Es bereitet mir schlaflose Nächte, wenn ich darüber nachdenke, wen ich davon entlassen müsste“, sagt der Edeka-Chef spürbar mitgenommen.
Neben dem Supermarkt seien weitere Betriebe vor Ort betroffen: „Wir haben hier nicht nur den Edeka, sondern auch eine Apotheke, einen Bäcker und eine Tankstelle. Sie alle werden eine Vollsperrung wirtschaftlich kaum überleben.“ Paasch fordert das Einlenken der Baubehörde: „Wir hoffen inständig, dass die Baubehörde nicht die letzten Betriebe auf dem Land kaputtmacht.“ Seine Forderung lautet, eine Behelfsbrücke für den Pkw-Verkehr einzurichten: „Alles andere wäre reine Ignoranz.“
Prüfung einer Behelfsbrücke und Bedenken der Gemeinde
Wasserbauingenieur bei den Waterkant-Ingenieuren aus Güby Philipp Zülsdorff hält die Forderung für machbar: „Technisch ist eine Behelfsbrücke grundsätzlich machbar und sollte vom LBV definitiv geprüft werden.“ Er verweist auf den zusätzlichen Treibstoffverbrauch der täglich etwa 8000 Fahrzeuge auf den Umleitungen und die drohenden Schäden an Ausweichstrecken. „Eine Möglichkeit wäre eine pfahlgegründete Behelfsbrücke direkt neben dem Baufeld. Technisch gibt es da einige Optionen“, so der Fachmann.
Auch in der Gemeindevertretung und bei Bürgermeister Rainer Röhl ist die Ungewissheit groß. Neben der Erreichbarkeit für Rettungsdienst und Feuerwehr drohe eine Überlastung der Ausweichstrecken, deren Sanierung „zulasten der Gemeindekassen“ ginge, warnt der Bürgermeister. Da sich das Areal in einem sensiblen Landschaftsschutzgebiet befindet, führt die Gemeinde Verhandlungen mit dem LBV.SH, um einen Kompromiss zu erzielen.