Altersgrenze stoppt Amtszeit von Bad Harzburgs Bürgermeister Ralf Abrahms
Nach 24 Jahren im Amt darf Ralf Abrahms wegen des Erreichens der Höchstaltersgrenze nicht erneut als Bürgermeister in Bad Harzburg kandidieren. Er strebt nun eine Rückkehr in den Stadtrat an.
Altersgrenze verhindert erneute Kandidatur
In Niedersachsen kann sich als Bürgermeister nur wählen lassen, wer am Wahltag nicht älter als 67 Jahre alt ist. Der 1958 geborene Ralf Abrahms würde sich zwar gerne ein weiteres Mal zur Wahl stellen, ist aufgrund seines Alters jedoch nicht mehr als Kandidat zugelassen. Bei seinen bisherigen Wiederwahlen erzielte er Zustimmungswerte von über 60 Prozent.Seine kommunalpolitische Karriere begann Anfang der 1980er-Jahre, als er erstmals in den Rat der Stadt gewählt wurde. Damals galt er mit langen Haaren und Zopf zunächst als „Bürgerschreck“. „Als ich gewählt wurde, hatte ich von den Männern in Bad Harzburg die längsten Haare“, sagt Abrahms. Für viele habe er nicht in das Bild eines Ratsherren gepasst und sei ein „Kulturschock“ gewesen. Manche hätten ihn dies spüren lassen: „Sag dem Abrahms, dass seine Tage gezählt sind. In die Radau mit ihm“, beschreibt der heutigen Bürgermeister die damaligen Reaktionen. Auch der Autor Jan Fragel zeichnete diesen Weg nach. Aus der Zeitung „Goslarsche Zeitung“ stammte einst die Formulierung „Vom Bürgerschreck zum Bürgermeister“.
Pragmatismus ohne Parteibuch
Trotz der Anfeindungen wurde er als Ratsherr wiedergewählt und 2002 schließlich zum Bürgermeister gewählt. Obwohl Abrahms Gründungsmitglied der Grünen ist, ließ er sich in Bad Harzburg stets als unabhängiger Bewerber aufstellen. Da er die Arbeit als Bürgermeister ohnehin „neutral ausüben“ müsse, wollte er von Anfang an neutral auftreten. Er sieht sich als Pragmatiker, dem es wichtig gewesen sei, „einfach was für die Heimatstadt zu tun, wichtige Weichen zu stellen, für die Stadtplanung, den Einzelhandel und anderes mehr.“Investitionen und Abbau der Schulden
Ein zentraler Punkt seiner Amtszeit betrifft die städtische Kläranlage als eine der wichtigsten Infrastruktureinrichtungen der Stadt. Dort wurde stetig investiert, auf energiesparende Technik umgerüstet und die Reinigungsstufen verbessert. Eine neue Solaranlage liefert ein Drittel des benötigten Stroms. In seiner 24-jährigen Amtszeit musste die Stadt nur ein einziges Mal neue Schulden aufnehmen – für die Modernisierung dieser Kläranlage, wie die Tagesschau berichtet. Ansonsten sanken die Verbindlichkeiten: „Nach und nach haben wir unsere Schulden abgebaut, von 23 Millionen auf unter zehn Millionen Euro.“„Wir haben allerdings auch relativ hohe Steuern, das muss man zugeben“, sagt Abrahms. Zu seinem Politikstil erklärt er: „Immer erst die Substanz sichern, bevor man teure Experimente macht.“ Aus der Kommunalpolitik will er sich nach dem Ende seiner Zeit als Bürgermeister nicht zurückziehen. Er strebt an, sich als unabhängiger Kandidat erneut in den Rat der Stadt wählen zu lassen. „Wo ich vor 45 Jahren mal angefangen habe, dahin ziehe ich mich wieder zurück und bin noch ein bisschen dabei“, sagt Abrahms – dieses Mal allerdings mit einer anderen Frisur.