Neues ÖPNV-Konzept für Amrum: Machbarkeitsstudie schlägt Reformen ab 2030 vor
Eine Machbarkeitsstudie empfiehlt umfassende Erneuerungen für den bisher gewinnbringenden Busverkehr auf Amrum. Neben einem 20-Minuten-Takt im Sommer und einem Gepäckservice ist ein kostenfreier ÖPNV über die Gästekarte im Gespräch.
Der ÖPNV auf Amrum arbeitet aufgrund der einfachen Geografie mit nur einer Buslinie profitabel. Im August drängen sich im Schnitt 59 Fahrgäste in jedem Bus, was einer Auslastung auf Großstadtniveau entspricht. Dennoch liegen wichtige Bereiche in Süddorf, Nebel und Norddorf sowie die Fachklinik Satteldüne weit von den Haltestellen entfernt. Für die rund 28 Prozent der Gäste, die ohne Auto mit der Fähre anreisen, bedeutet dies längere Fußmärsche mit schwerem Gepäck. Als Lösungsansatz schlägt die Studie einen inselweiten Gepäckservice vor, bei dem Gäste ihre Koffer am Fähranleger in Wittdün abgeben und direkt zur Unterkunft transportieren lassen.
Die geplanten Modernisierungen – darunter emissionsfreie Elektrobusse und Taktverdichtungen im Sommer auf ein 20-Minuten-Intervall – verursachen jährliche Mehrkosten von rund 346.000 Euro, welchen prognostizierte Gesamteinnahmen von über 800.000 Euro gegenüberstehen. Zur Finanzierung empfehlen die Gutachter eine Umlage über die Gästekarte nach dem Vorbild der Schwarzwälder „Konus-Karte“. Ein Aufschlag von 25 Cent pro Übernachtung würde ausreichen, um den ÖPNV für alle Kurkarteninhaber kostenlos anzubieten und Verzögerungen durch Bargeldverkauf beim Busfahrer zu vermeiden.
Debatte über Fahrzeuge und Fahrpersonal
In der Sitzung des Wirtschaftsausschusses des Kreises Nordfriesland äußerten Amrumer Vertreter die Sorge, dass die Planer mit einer realitätsfernen „Festländer-Sicht“ die benötigten Gelenkbusse durch kleinere Fahrzeuge ersetzen wollten. Studienleiter Dr. Gerhard Becher vom CIMA Institut für Regionalwirtschaft stellte jedoch klar: „Vielleicht ist es nicht deutlich geworden, aber wir bleiben bei den Gelenkbussen, die brauchen wir auch auf Amrum. In den Sommermonaten fahren sie eben häufiger, nicht alle Stunde, sondern alle 20 Minuten. Vom Fahrgastvolumen passt das wunderbar und von der Kostenstruktur und den Einnahmen ebenfalls.“
Beim Thema Schulverkehr sah ein Amrumer Ausschussmitglied im Gegensatz zu Föhr keinen Handlungsbedarf: „Was Amrum angeht, Schulverkehr: Unsere Schule sitzt genau in der Mitte. Selbst meine Enkelkinder, acht und neun Jahre, fahren Fahrrad – das geht wunderbar. Da kann man durchaus den restlichen Verkehr laufen lassen.“
Kritik der WDR und Ausblick bis 2030
Deutliche Kritik kam vom langjährigen Konzessionsinhaber, der Wyker Dampfschiffs-Reederei (WDR), an den Annahmen der Planer zum Personal. Vorschläge, saisonale Spitzen durch Fahrer-Pools abzufedern, hält man angesichts des Fachkräftemangels für unrealistisch. Dem Fortschritt verschließe man sich aber nicht: „Das Konzept wandert keinesfalls in die Schublade“, versprach Prokurist Christian Gabriel bereits im März dieses Jahres. Auch WDR-Geschäftsführer Axel Meynköhn hatte signalisiert, den ÖPNV auf Föhr und Amrum nach Ablauf der aktuellen Konzession eigenwirtschaftlich weiterführen zu wollen. Eine befristete Konzessionsverlängerung des Kreises sichert allen Beteiligten eine Atempause bis 2030.